Asal Dardan

Traumaland

Eine Spurensuche in deutscher Vergangenheit und Gegenwart
Cover: Traumaland
Rowohlt Verlag, Hamburg 2025
ISBN 9783498003487
Gebunden, 288 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Das Blut nicht wegwischen können, nicht tilgen können, dass es geflossen ist. Die Tat und damit auch die Schuld sichtbar machen, selbst wenn die Täter nie die eigene Hand erhoben haben und die Opfer unsichtbar blieben: An euren Händen klebt Blut. So begründet Asal Dardan die Notwendigkeit des Erinnerns, die Verantwortung der Nachgeborenen. In Traumaland entwirft sie eine neue Topografie Deutschlands, geht auf Spurensuche, zeigt parallele und konträre Erfahrungen in der Einwanderungsgesellschaft auf. Die Vergangenheit ragt schmerzlich in unsere Gegenwart hinein, die Naziverbrechen finden heute ein grausames Echo in rassistischen Gewalttaten, aber auch in den traumatischen Erfahrungen von Minderheiten.Wer macht die deutsche Geschichte? Wer trägt die Verantwortung für vergangene Schuld? Welche Erinnerungen werden erzählt, welche bleiben ungehört? Asal Dardan konfrontiert festgefahrene Erinnerungsdiskurse mit ihrer Suche nach Verbindungen, nach der Gleichzeitigkeit und Gleichwertigkeit von Erfahrungen und der Hoffnung auf ein gemeinsames Erinnern, in dem verschiedene Realitäten Platz finden. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2025

Ein Buch mit einem ehrenwerten Anliegen, das nur teilweise überzeugend bearbeitet wurde, hat Asal Dardan laut Rezensentin Sonja Asal geschrieben. Dardan untersucht darin mehrere sogenannte Traumaorte in Deutschland, darunter die Stadt, in der sie aufwuchs, Köln, sowie Berlin und Hoyerswerda. Asal zufolge stellt Dardan die Traumageschichten von Einzelnen ins Zentrum und fragt, wie die Gesellschaft über diese schmerzhaften Erfahrungen hinweg zusammengehalten werden kann. Wichtig für die Darstellung ist dabei auch der türkische Autor Dogan Akhanli, dessen erinnerungspolitische Interventionen Dardan für vorbildhaft hält. Gut gefällt Asal das Buch in den erzählerischen, insbesondere auch in den autobiografisch gefärbten Passagen. Wenn es theoretisch wird, orientiert sich Dardan jedoch, kritisiert Asal, zu sehr an schlagwortartig benutzten, teils auch pathosgetränkten Begriffen wie dem des "relationalen Erinnerns". Weit weg ist eine solche unter anderem bei Judith Butler ausgeborgte Sprache von der realen Erfahrung, findet die Rezensentin. Letztlich geht es diesem Buch um die Bekämpfung vergangenen Unrechts, schließt der Text, und dieser wichtige Kampf sollte mit Bezug auf konkretes Erleben ausgefochten werden, was Dardan hier nur teilweise tut.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2025

Sehr bewegt und betroffen und aber nicht eben klar, bespricht Sonja Zekri dieses Buch der Essayistin Asal Dardan. Irgendwie um historische Traumata scheint es darin zu gehen. Zekri exemplifiziert es an einer Anekdote, die Dardan über Dessau erzählt. Sie, Dardan, habe Dessau als Trauma-Ort besucht, habe sie Freunden erzählt. Also wegen des Bauhauses, fragen naive deutsche Freunde. Nein, dort waren dreimal Ausländer umgebracht worden - eine Tatsache, an die Deutschen sich wohl gar nicht erinnerten. Und so ist sich Zekri mit Dardan einig: Es steht schlimm um die Vergangenheitsbewältigung in Deutschland. Man ist stolz, dass man seine Vergangenheit in bezug auf den Holocaust bewältigt hat - aber wie grausam es heute den Ausländern ergeht, will man nicht sehen. Dafür aber verlangt man von ihnen die gleiche Meinung zu Israel, die hier "Staatsräson" sei. Von Dardan können die Leser viel lernen über die "nationale Gewaltgeschichte", ist sich Zekri sicher, nur was genau, wird wie gesagt nicht ganz klar.

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