Herausgegeben von Roland Reuß und Peter Staengle. 6 Hefte und 1 Beiheft im Schuber. Mit der Edition der Handschriften zu Kafkas "Das Schloss" legt die Franz Kafka-Edition (FKA) den zweiten umfangreichen Roman-Entwurf Kafkas in Faksimile und chronologisch differenzierter diplomatischer Umschrift vor. Es handelt sich um Kafkas letzten, Fragment gebliebenen Versuch, einen Roman zu schreiben. Begonnen wurde er im Winter 1922 zu Beginn des Kuraufenthalts in Spindlermühle, unterhalb der Schneekoppe, unweit der heutigen tschechischen Grenze zu Polen. Die Handschrift erstreckt sich über sechs Hefte und ist - im Unterschied zum Manuskript von "Der Process" - durchgängig linear organisiert, wobei die FKA in Heft 1 erstmals die Problematik des doppelten Anfangs sinnfällig macht, die in den früheren Ausgaben Max Brods und Malcolm Pasleys zugunsten einer einfacheren Lektüre in den Anhang bzw. textkritischen Apparat verbannt wurde. Sinnlich wahrnehmbar wird in der FKA auch erstmals Kafkas Kniff bei der Destabilisierung der Erzählperspektive, einen zunächst als Ich-Erzählung beginnenden Text durch den bruchartigen Übergang zur Er-Perspektive nach ca. 50 Seiten (bei rückwirkender Änderung des Personalpronomens der zunächst geschriebenen Passagen) zu befremden. Die Handschrift selbst ist, wie häufig bei Kafka, ohne vorausliegenden Plan unmittelbar in die überlieferten Hefte geschrieben. Die Spuren der äußeren Umstände ihrer Entstehung (Ortswechsel) lassen sich an den manchmal begegnenden Änderungen des Schreibmaterials (Bleistift, verschiedene Tinten) gut verfolgen. Die Transkription der FKA bemüht sich zugleich um größtmögliche Präzision und um gute Lesbarkeit. Die konsequente Faksimilierung der Handschriften ermöglicht die Überprüfung der editorischen Entscheidungen auf jeder Seite.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.09.2018
Andreas Kilcher macht auf den Anachronismus solcher Ausgaben wie der vorliegenden aufmerksam. Franz Kafkas Text als Handschriftenkonvolut, meint er, erschließt zwar das grundsätzlich Fragmentarische von Kafkas Schreiben, wird jedoch nur bei einem kleinen Kreis von Lesern auf Interesse stoßen, zumal Handschriften-Faksimiles inzwischen auch von Bibliotheken bereitgestellt werden. An der Sorgfalt der monumentalen historisch-kritischen Edition und an ihrem Nutzen für die Forschung hat der Rezensent allerdings keinen Zweifel.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.05.2018
Rezensent Peter-Andre Alt ist begeistert von Roland Reuß' neuer Edition von Franz Kafkas "Das Schloss". Endlich wird kenntlich, dass der Text auch seiner Idee nach ein Fragment ist, meint Alt. Mustergültig sichtbar wird für den Rezensenten diese Struktur, weil der Herausgeber "ganz" aus der Handschrift arbeitet, Streichungen und Korrekturen dokumentiert. Das faksimilierte Manuskript macht Alt dabei besondere Freude. Es ist, so versichert der Rezensent, auch für Laien gut lesbar, da Kafka schön wie ein Kalligraph schrieb. Auch wenn das tiefere Lesen so bei längeren Passagen nicht ohne Vor- und Zurückblättern abgeht, für Alt enthüllt sich hier nicht zuletzt die "unwahrhaftige Seite K.s", sein Hang zur Selbstüberschätzung und Oberflächlichkeit.
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