Herausgegeben und kommentiert von Irene Weiser und Jürgen Gutsch.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.08.2007
Freudig begrüßt Rezensent Christian Mayer diese textkritische Ausgabe von Franziska zu Reventlows Tagebüchern der Jahre 1895 bis 1910. Der 600 Seiten starke Band offenbart für ihn eine andere Seite der Autorin als die hinlänglich bekannte. Im Vordergrund sieht er hier weniger die Reventlow als Mittelpunkt des turbulenten Lebens der Schwabinger Boheme als vielmehr die disziplinierte Überlebenskämpferin, die sich als Autorin, Übersetzerin und Gelegenheitsprostituierte durchschlägt und trotz ewiger Geldsorgen "Talent zu Selbstironie" beweist. Im Plauderton vorgetragene Schilderungen von Affären mit Künstlern und Schriftstellern sowie Trennungsgeschichten fehlen Mayer zufolge gleichwohl nicht. Vorgezeichnet scheint ihm bei Reventlow insbesondere der Dauerkonflikt der heutigen Alleinerziehenden, "die sich selbst verwirklichen müssen und zugleich perfekte Mutter sein wollen". Demgegenüber bemerkt er, dass Reventlows schriftstellerische Tätigkeit in den Eintragungen keine große Rolle spielt. Mit lobender Anerkennung bedenkt er auch die editorische Leistung und den Kommentar der Herausgeber Irene Weiser und Jürgen Gutsch.
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