Wie sehr sich der buchstäbliche Sinn der Souveränität seit den Tagen Bodins und Hobbes' verdunkelt haben mag, die Figur der Souveränität hört nicht auf, auch moderne, 'dezentrierte' Gesellschaften, die die souveräne Macht dem Gesetz der Gewaltenteilung unterwerfen, heimzusuchen. Souveränität verweigert sich nicht nur hartnäckig der Historisierung, sondern zugleich auch der Alternative von moralischer Affirmation oder Verwerfung. Souveräne sind nicht bloß ausgezeichnete öffentliche Amts- und Würdenträger oder diejenigen, die sie mit souveräner Macht investieren. Die souveräne Funktion ist in einem gewissen Vermögen verankert, in der Fähigkeit, das Gesetz zu geben oder es im Ausnahmefall zu suspendieren. Souveräne Macht kann aber auch im Widerspruch und in der Manifestation gegen eine bestimmte institutionalisierte Herrschaftsordnung zum Ausdruck kommen, in der Beanspruchung einer Gleichheit durch diejenigen, die ungleich sind oder denen ein gleicher Anteil an der politischen Ordnung verweigert wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2010
Politische Macht hat eine Menge Gesichter, das kann Michael Pawlik anhand dieses Buches von Friedrich Balke erneut feststellen. Wenn Balke daran geht, zu untersuchen, was neuzeitliche Souveränitätslehren von ihren mittelalterlichen Vorgängertheorien unterscheidet, lernt Pawlik nicht nur die Herrschaftslehren von Hobbes und Hegel aufeinander zu beziehen. Vor allem erhält er Einblick in das "geltungstheoretische Primat" der Souveränität des Volkes gegenüber derjenigen des Herrschers. Vermittelt vom Autor etwa durch Montaigne und Pascal. Eine Erkenntnis, die im Nachweis funktionaler Äquivalenz zwischen demokratischen und totalitären "Legitimiationsbeschaffungsstrategien" ihre finstere Seite hat, wie der Rezensent gleichfalls erkennt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.01.2010
In ihrer eingehenden Besprechung von Jacques Derridas "Seminaire La bete et le souverain" wirft Sonja Asal auch einen Seitenblick auf Friedrich Balkes Habilitationsschrift "Figuren der Souveränität". Die Arbeit kann sie deshalb nicht überzeugen, weil die disparaten Einzelstudien zu Antigone, Hobbes oder Kafka nur mühsam unter dem Titel zusammengehalten werden und bei geradezu "leitmotivischer" Verwendung von Derridas Begriff der "Biopolitik" zu nicht gerade plausiblen Deutungen kommen. Vielleicht, überlegt die Rezensentin, ist die "florierende" Forschungsliteratur zum Thema auch einfach mal an ihr natürliches Ende gekommen.
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