Kurz nach seinen größten Triumphen auf der Bühne erlebte Dürrenmatt seine tiefste private wie künstlerische Krise. Er fühlte sich von seinem Publikum, das ihn bisher auf Händen getragen hatte, nicht mehr verstanden und versuchte, sich zumindest selbst zu verstehen. Daraus entstand das 'Stoffe-Projekt' - sein großes Spätwerk. Darin verwebt er autobiographische mit philosophischen und fiktionalen Texten und Textfragmenten zu einer ganz eigenen Prosaform.
Für Rezensentin Gisa Funck besteht der Reiz von Friedrich Dürrenmatts jetzt neu und textgenetisch herausgebrachtem autobiografischen Mammut-Projekt darin, dass es scheitert. Wie der Autor seine Lebens- und Werkchronik als Mix aus autobiografisch-reflexiven und Fantasiegeschichten konstruiert, scheint Funck überwältigend wie berückend, weil Dürrenmatt zwar nicht unbedingt dem Geheimnis seines Schreibens auf die Schliche kommt, dem Leser dafür aber eine durchaus charmante Spiegelei aus Selbstreflexion und Erzählkunst hinterlassen hat, wie sie findet. Größenwahnsinnig ist das selbstverständlich auch, so Funck.
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