Der Autor erforscht das Verhältnis von Fleck und Bild im frühen 19. Jahrhundert. In der deutschen Romantik spielt die Fantasie als besondere Geistesfähigkeit eine große Rolle. Nach Immanuel Kant ist die Einbildungskraft insbesondere durch ihre Autonomie gegenüber den rationellen Funktionen und der Steuerung des Willens ausgezeichnet. Diese Autonomie nennt er Selbsttätigkeit. Die Klecksografie als Bildtechnik dient als Anlass, um die Wechselwirkungen zwischen theoretischem Anspruch und praktischer Umsetzung zu untersuchen. Dabei werden zahlreiche, zum Teil bislang unpublizierte romantische Flecken untersucht. Es zeigt sich im Ergebnis, dass der Fleck als Abbild der menschlichen Fantasie gedeutet wird.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2012
Klecksografie? Kein Witz, vielmehr ein Beispiel für die Umgangsweisen mit dem Unsichtbaren, weiß Beate Söntgen spätestens seit der Lektüre von Friedrich Weltziens Studie zum Fleck als Inbild von Autonomie. Dass im Fleck verborgene Wirkmächte sichtbar werden, ist vielleicht nicht jedem Putzteufel beizubringen, Söntgen aber interessieren die vom Autor herausgearbeiteten für das Erkennen der Fleckbedeutung notwendigen Wahrnehmungsgrundlagen durchaus. Im Zentrum, erläutert sie, steht zwar die Klecksografie des Arztes und Dichters Justinus Kerner, doch der Vorstellungsraum, den der Autor in seinem Buch eröffnet, ist um einiges größer. Mitunter zu weit sogar, findet die Rezensentin, doch langweilig wurde ihr nicht.
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