Die Zeit zwischen dem Ersten und Zweiten Weltkrieg gilt als Periode des extremen Nationalismus. Doch paradoxerweise bildeten sich zwischen 1919 und 1939 starke internationale Kooperationen aus, die für das 20. Jahrhundert maßgeblich werden sollten. Am Beispiel des Agrarmarkts, eines besonders national ausgerichteten Wirtschaftssektors, zeigt Fritz Georg von Graevenitz, dass Protektionismus als Abbild des wirtschaftlichen Nationalismus und internationale Kooperation in Form von Marktintervention in den krisenhaften 1920er- und 1930er-Jahren zwei Seiten derselben Medaille sein konnten. Im Fokus seiner Analyse stehen nicht staatliche Akteure, die bei der Ausgestaltung einer europäischen Agrarpolitik entscheidend mitwirkten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.11.2017
Über Internationalismus im Bereich der Agrarwirtschaft in der Zwischenkriegszeit erfährt Gottfried Niedhart bei Fritz Georg von Graevenitz Wissenswertes. Ohne die Rolle des Völkerbunds in Frage zu stellen, möchte der Autor laut Rezensent zu einem Perspektivwechsel beitragen, der nicht in erster Linie Erfolg beziehungsweise Misserfolg des Völkerbunds erwägt, sondern seine Langzeitwirkung. Die Seitenblicke des Autors auf das Internationale Agrarinstitut in Rom und die Versuche Nazideutschlands, internationale Warenabkommen im Sinne seiner Kriegspolitik zu verhandeln, findet der Rezensent lesenswert.
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