Aus dem Italienischen von Ragni Maria Gschwend. Das bewegende Schicksal einer Vergessenen, die im Jahr 1900 in einem verlassenen Winkel Sloweniens geboren wird, ist Ausgangspunkt für Tomizzas letzten Roman. Franziska ist Waise, weil ihre Geburt wegen der 1000 Kronen, die Kaiser Franz Joseph jedem am ersten Tag des neuen Jahrhunderts geborenen Kind zuerkennt, brutal hinausgezögert wurde. Schon in früheren Büchern hat Tomizza die realen Biografien von Unbekannten zum Ausgangspunkt seiner Fiktionen gemacht, hier schildert er das Leben dieser unscheinbaren Frau, das durch den historischen Hintergrund etwas Exemplarisches bekommt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.06.2001
Wenn wir die Rezensentin Monika Schattenhofer richtig verstehen - und das ist ja nicht immer leicht -, handelt es sich um eine Art rudimentären Briefroman. Briefe (authentische?), zu denen der Autor "den Roman von Franziskas Leben erfindet". Das kleine private Schicksal der Frau nun aber, so teilt uns Schattenhofer auch mit, überschneidet sich mit dem "großen Lauf der Welt", in diesem Fall ist das der erste Weltkrieg, ist das ein ethnisch zerrissenes Triest nach 1918. Und das nun findet sie wertvoll, in einer Zeit zumal, "wo das habsburgische Mitteleuropa wieder als Bild für das neue Europa gehandelt wird". Wertvoll, weil der Autor "die feineren Risse in diesem Modell" zeigt und Verwerfungen, "die tief in der Psyche sitzen."
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