Ein unbeschwerter Junge wird in Hitlerdeutschland von Staats wegen verfolgt: Bereits 1935 geht sein jüdischstämmiger Vater ins Exil und lässt seine nichtjüdische Frau, beide Töchter und den Sohn in Berlin zurück. Obwohl deutsch und evangelisch, sind die Kinder bald so gefährdet, daß die Mutter, eine mutige Nazigegnerin, sich mit ihnen auf die Flucht begibt: über Schlesien, die Heimat der Großmutter, bis nach Bayern. Gegen Kriegsende wird das Untertauchen unmöglich; anders als seinen Schwestern bleibt dem Jungen im fast wehrfähigen Alter die Gefangenschaft in einem Zwangsarbeitslager nicht erspart. Und selbst lange nach 1945 lebt das Kind, das zwischen zwei Welten zu kämpfen hatte, in ihm fort.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 15.11.2006
Der Rezensent Florian Welle ist im Großen und Ganzen recht angetan von den Erinnerungen des Schriftstellers Georg Heller an eine Kindheit als halbjüdischer Junge in der Nazizeit, die seine eigene ist - auch wenn sein Protagonist einen anderen Namen trägt. Ihm gefällt das Unspektakuläre der Erzählung und die Präzision und Einfachheit der Sprache: "Jede Kleinigkeit, die Heller beschreibt, evoziert Welt, kreiert Atmosphäre, beschreibt ein Schicksal." Etwas irritiert ist Welle nur von dem Umstand, dass man nichts darüber erfährt, wie Heller diese Zeit aus heutiger Sicht bewertet. Um das zu erfahren, müsse man sein Buch "Endlich Schluss damit? 'Deutsche' und 'Juden' - Erfahrungen." lesen. Der Rezensent empfiehlt deshalb die komplementäre Lektüre beider Bücher.
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