Richard Wagner ist ein Mythos, nicht nur der Deutschen: Im Mai 2013 wird zum 200. Mal der Geburtstag des Komponisten gefeiert, dessen Werk und Leben seit über 150 Jahren eine ungebrochene Faszination auf Kultur, Gesellschaft und sogar Politik ausüben. Wagners künstlerisch revolutionäres Musiktheater hat die Abgründe der modernen Seele ausgeleuchtet und politische Utopien entworfen, es problematisiert den Kapitalismus und wird immer wieder neu gedeutet. Sein Schöpfer wurde zum Gegenstand völkischer Heroisierung, sagenverliebter Idolatrie und klügster Erörterung. Zugleich schafft es Wagner bis heute in die Boulevardpresse, nämlich durch die Festspiele in Bayreuth und ihren gesellschaftlichen Rummel: Der Mythos lebt. Udo Bermbach zieht nun nach jahrzehntelanger Wagner-Forschung Bilanz. Anhand der Lebensstationen Wagners und der schillernden Festspielgeschichte zeigt er, wie aus Selbststilisierung, Politik und Kalkül der Mythos entstand: wie der Revolutionär Wagner zum Nationalkünstler avancierte, wie die Ersatzmonarchie Bayreuth zur Pilgerstätte deutscher Staatsoberhäupter wurde, und warum Wagner nicht ohne sein historisches Umfeld zu begreifen ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.05.2013
Peter Uehling liest mehrere neue Bücher zu Richard Wagner und stellt betrübt fest, dass vor 30 Jahren, zu Wagners 100. Todestag, noch die Fetzen flogen. Inzwischen betrachtet man den Komponisten mit den leidenschaftslosen Augen des Historikers. Das ist zwar verständlich, bietet aber nicht immer anregende Lektüre. Udo Bermbachs Buch "Mythos Wagner" hat Uehling mit Interesse und Gewinn gelesen. Der "Großmeister der politologischen Wagner-Deutung" schildert für ihn überzeugend die Mythologisierung Wagners. Sowohl die mythische Aufladung Wagners, an der der Komponist selbst zu seinen Lebzeiten fleißig arbeitete, als auch die mythenhafte Verklärung Wagners nach dessen Tod werden zu seiner Freude detailliert herausgearbeitet. Alles wunderbar erhellend erklärt, so Uehling. Aber hat Wagner wirklich nur noch rezeptionsgeschichtliches zu bieten, fragt er leise seufzend.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.03.2013
Christian Wildhagen bespricht Udo Bermbachs Essay "Mythos Wagner" zusammen mit Dieter Borchmeyers "Richard Wagner" und Barry Millingtons Bildmonografie "Der Magier von Bayreuth". Die Themensetzung Bermbachs wirke nur im ersten Moment oberflächlich, versichert der Rezensent dabei: Mythos Wagner, das klingt zwar abgegriffen, aber Wildhagen bewundert, wieviel Bermbach aus diesem Thema herausholt. Schon dass Bermbach mit Wagners Tod in Venedig ansetzt, der zum Mythos einiges beigetragen hat, nötigt Wildhagen Respekt ab: Aus dem Kult wird dann Vergötterung mit all ihren höchst problematischen Seiten unter dem Regime Cosima Wagners und ihres Gatten Houston Chamberlain, der bekanntlich neben Wagner ein weiterer Klassiker des modernen Antisemitismus ist. Den Mythos sieht Wildhagen heute gebrochen durch den Event-Charakter des Festivals von Bayreuth.
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