Aus dem Französischen von Horst Brühmann. Von 1939 bis 1943 sammelten und versteckten Emanuel Ringelblum und seine Gefährten der Gruppe Oyneg Shabes unter unvorstellbaren Bedingungen Zehntausende von Zeugnissen über das Leben und Leiden im Warschauer Ghetto. In seinem neuen Buch erzählt Georges Didi-Huberman die Geschichte ihrer Aktionen und archivarischen Unternehmungen. Es ist eine Hommage an diese Menschen und ein bewegendes, unverzichtbares Buch der Erinnerung.Zerstoben wirft einen ersten Blick auf ein Korpus unveröffentlichter Bilder, die untrennbar mit einem Archiv von etwa fünfunddreißigtausend Seiten Geschichten, Statistiken, Zeugenaussagen, Gedichten, Volksliedern, Hausaufgaben von Kindern in geheimen Schulen oder Briefen, die aus Viehwaggons auf dem Weg nach Treblinka geworfen wurden, verbunden sind. Ein Archiv der Katastrophe, aber auch des Überlebens und einer ganz besonderen Form der Hoffnung, in einer Umgebung, in der alle mit dem Rücken zur Wand standen und nur wenige dem Tod entkamen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 21.03.2022
Der französische Philosoph und Kunsthistoriker Georges Didi-Huberman reiste 2018 zum Jüdischen Historischen Institut in Warschau, um das Emanuel-Ringelblum-Archiv zu besuchen, das Ringelwald und einige Gefährten heimlich im Warschauer Ghetto gegründet und 1942 vergraben hatten. Didi-Huberman geht es in seinem "brillanten" Buch vor allem um das Leid, das aus den Fotos, Briefen und Testamenten spricht, erklärt Rezensent Jens-Jürgen Ventzki, den die SZ als Sohn des Lodzer NS-Oberbürgermeisters vorstellt. Für Distanz lasse Didi-Huberman keinen Raum, obwohl er bei seinen Beschreibungen Aby Warburg, Walter Benjamin, Gershom Scholem und Martin Buber reflektiert, so der beeindruckte Rezensent, dem Didi-Hubermans Überlegungen den Blick weiten.
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