Bearbeitet von Karolina Szymaniak, aus dem Polnischen von Sandra Ewers. Rachela Auerbach (1899-1976) war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der frühen Holocaustforschung. Im Warschauer Ghetto gehörte sie zu den Mitarbeitern des Untergrundarchivs von Emanuel Ringelblum. Nach dem Krieg begründete sie die Abteilung Zeugenberichte in Yad Vashem. Ihre Schriften lassen eine außergewöhnliche Beobachtungsgabe erkennen. Die hier publizierten Texte entstanden von 1941 bis 1942 im Warschauer Ghetto. Die Edition umfasst ihr Ghetto-Tagebuch und die "Monografie einer Volksküche" - ein Ort, an dem "sich alles spiegelt, was das Ghetto durchmacht".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.01.2023
Angesichts des Shoah-Gedenktages am 27. Januar widmet sich die SZ (online) drei Büchern von Überlebenden. Der Historiker René Schlott stellt das Tagebuch der Journalistin Rachela Auerbach vor, das vom Leben im Warschauer Ghetto handelt und ebenjenes in einer Metallkiste vergraben überstanden hat. Der Kritiker ist nicht nur von der Eindrücklichkeit der Schilderungen von Leben und Sterben unter unmenschlichen Bedingungen überzeugt, sondern auch erstaunt, wie viel Auerbach schon 1942 von Massenerschießungen und Gaskammern weiß. Das alles vermag sie überwältigend und beeindruckend zu schildern, doch auch diese Sprachmächtigkeit hat sie nicht davor geschützt, im israelischen Exil vereinsamt zu sterben, nachdem sie das Ghetto und das Untertauchen überlebt hatte, verrät Schlott.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 18.10.2022
Dem Rezensenten Klaus Hillenbrand verschlägt die Lektüre dieses "herausragenden Texts einer intellektuell reflektierenden Überlebenden" schier den Atem: Minutiös schildert Auerbach in ihren erstmals auf Deutsch vorliegenden Notizen die Vorgänge und Entwicklungen im Warschauer Ghetto. Von Grausamkeiten bleibe man bei dieser Zeugenschaft folgerichtig nicht verschont: Erlittene Not und willkürliche Erschießungen prägen den Alltag, "der Hunger und das Sterben" sind allgegenwärtig. Als Leiterin einer jüdischen Suppenküche hatte Auerbach das fortschreitende Siechtum stets im Blick: Selbst einstige Athleten können sich schließlich nicht mehr zur Essensvergabe schleppen. Entsprechend überzeugt ist Hillenbrand von diesem Buch: Die 1976 in Tel Aviv verstorbene Diaristin erzählt ihm mehr über das Warschauer Ghetto als bisherige Historiker es vermochten. Rezensentenlob geht auch an Karolina Szymaniak, die eine "kluge Einleitung" verfasst hat und ihrerseits erzählt, dass diese Manuskriptseiten 1946 aus einer Metallkiste in einem Kellerversteck geborgen werden konnten.
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