Der Neoliberalismus, so scheint es, ist ein Phantom: Es gibt keine Anhänger, nur Kritiker. Der Begriff ist zu einer Kampfparole geworden, zur Negativfolie des modernen Kapitalismus mit einem globalisierten Markt, in dem nur der Wettbewerb zählt. Namen wie Milton Friedman, der wohl bekannteste Vertreter der neoliberalen Wirtschaftstheoretiker, stehen für das Konzept eines radikalen Laisser-faire, in dem es für die Schwächeren in der Gesellschaft keine soziale Absicherung mehr gibt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.10.2004
Eine "Lichtung des ideologischen und begrifflichen Nebels", der den Begriff des Neoliberalismus umwabert, hat sich Rezensentin Karen Horn von Gerhard Willkes Buch erhofft. Zu ihrem Bedauern gelingt Willke diese Klärung "nur ansatzweise". Zwar schildere und erkläre der Autor mit "Tiefgang und Prägnanz" alle wesentlichen Bestandteile des liberalen Paradigmas. Dabei bemühe er sich auch, die Vorurteile, die dem (Neo-)Liberalismus entgegengebracht werden, beim Namen zu nennen, die Kritik ernst zu nehmen und die Vorbehalte dennoch häufig auszuräumen. Die Sprache, in der Willke das tut, mutet Horn "mitunter schon geradezu aufreizend flockig" an. Wo Willkes Sympathien stehen, ist ihr bei der Lektüre schnell klar geworden. Sie charakterisiert ihn als einen "wasserscheuen Liberalen", der das freiheitliche Denken innerhalb eines bestimmten "sozial gerechten" Rahmens verteidigen wolle. Skeptisch zeigt sie sich, wenn Willkes den Vertretern des Liberalismus Nachlässigkeit gegenüber Fragen der sozialen Gerechtigkeit und der Einkommensverteilung vorwirft. Seine Auffassung, dass die Bewertung einer Ungleichverteilung als ungerecht nicht von deren Verursachung ab, sondern vom Ausmaß abhänge, findet sie konzeptionell ein "bisschen simpel". Neben "bestreitbaren, groben Wertungen" moniert Horn ferner "lästige Redundanzen" sowie "Flüchtigkeitsfehler".
Gerhard Willkes Einführung in den Neoliberalismus ist nach Einschätzung von Rezensent Robert Misik vor allem eines: eine kämpferische Verteidigung des Marktkapitalismus, noch dazu eine, die "klug und eingängig" ist. Für Misik enthüllt das Buch des Nürtlinger Wirtschaftsprofessors allerdings "ebenso einleuchtend" die Schwächen des Kapitalismus. Wie er berichtet, hält Willke den Markt in komplexen, ausdifferenzierten Gesellschaften für das effizienteste System zur Vermittlung von Informationen und zum Treffen von Entscheidungen, jeder politische Eingriff ins Marktsystem provoziere zentrale und damit potenziell fatale Fehlentscheidungen. Dabei verteidige Willke mit viel Pathos die Marktwirtschaft als Ordnung der Freiheit. Bei Misik bleibt da der Eindruck zurück, "als könnten sich die Subjekte nur am Markt als freie Subjekte begegnen". Gegen Willke führt er zudem ins Feld, dass Werte nicht nur am Markt verhandelt werden. Auch Willkes naturalistische Schilderungen von Marktprozessen weist Misik als Ideologie zurück, unterschlagen sie doch, "dass ökonomische Prozesse keinen Naturgesetzen folgen, sondern Resultate von Interaktionen sind - und damit von Handlungen, die auch anders ausfallen könnten".
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