Gert Jonke

Der ferne Klang

Roman
Cover: Der ferne Klang
Jung und Jung Verlag, Salzburg 2002
ISBN 9783902144294
Gebunden, 287 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Ein junger Mann - offenbar der Komponist aus Jonkes Roman "Schule der Geläufigkeit" - erwacht eines Morgens nicht in seinem gewohnten Zimmer, sondern im Zimmer eines Krankenhauses, ohne allerdings zu wissen, warum. Die gegen ihn vorgebrachte Erklärung, er habe am Abend zuvor daheim mit einer Überdosis Tabletten einen Selbstmord versucht, bleibt ihm mangels Erinnerung eine unbegreifliche Zumutung. Da er sich zudem und aufs plötzlichste in eine offenbar hinreißend schöne Krankenhausangestellte verliebt hat, die er dort jedoch nicht wiederfindet, flieht er aus dem Spital, um sie zu suchen und in der Hoffnung, irgendwo und irgendwie seinem eigenen rätselhaften Fall auf die Spur zu kommen. Es ist der Beginn einer ereignisreichen Odyssee, deren Höhepunkt ein orgiastisches Volksfest und deren Ausklang eine letzte Überraschung und endlich die Betrachtung eines einsam euphorisch hereinbrechenden Abends sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 16.01.2003

"Der Ferne Klang" beinhaltet die Geschichte eines Komponisten, aber dies ist nicht der einzige Bezug zur Herkunft des Autors aus einer Musikerfamilie. Das Buch lese sich wie ein sprachliches Gesamtkunstwerk, findet Rezensentin Cornelia Staudacher, die in "manischer Sprachergebenheit" entstehenden Textgebilde erinnerten an Fugen, findet sie, und hätten auf den Leser eine Sogwirkung. Das Buch sei vieles zugleich, lobt Staudacher, Satire auf kleinbürgerliches Leben ebenso wie ein Künstlerroman in romantischer Tradition. Für sie ist Jonkes bereits 1979 erschienener Roman heute so brisant wie damals.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.09.2002

Friederike Herrmann bedauert sehr, dass der österreichische Autor, der seine Wortkünste bereits in vielen Textgattungen bewiesen und dafür auch viele Preise eingeheimst hat, vielen Lesern ein Unbekannter geblieben ist. Umso mehr begrüßt sie den Umstand, dass nun ein alter Roman Jonkes - aus dem Jahr 1979 - wiederaufgelegt wurde, der trotz seiner umständlichen oder manchmal sperrigen Sprache, wie Herrmann zugesteht, dennoch eine große Musikalität und einen regelrechten Sog entfaltet. Für Jonke stellt Erinnerung kein Mittel zur Identitätsfindung und -stiftung dar, stellt Herrmann fest. Bei ihm gebe es nur "unendliches Erzählen", das die Wahrnehmungsmuster und Wirklichkeitsauffassungen durcheinanderwirbele und neu sortiere. Dabei kämen sehr komische Effekte heraus, begeistert sich Herrmann. Jonke knüpfe an die romantische Tradition an und breche sie zugleich. Dabei bringt er Sätze trotz seiner sperrigen oder ungewohnten Konstruktionen dermaßen zum Klingen und Schwingen, findet die Rezensentin, dass es ihr noch lange in den Ohren gesummt hat.

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