Als Russland am 24. Februar 2022 die Ukraine angriff, schien das großen Teilen der russischen Gesellschaft egal zu sein. Das ist nicht überraschend. Seit Jahren wird das russische Expansionsstreben davon begleitet, dass gesellschaftlich das Recht des Stärkeren gilt. Gewalt wird von vielen als Mittel der Politik akzeptiert.Gesine Dornblüth und Thomas Franke erklären, wie es dazu kommen konnte. Ihre Reportagen und Analysen führen uns durch drei Jahrzehnte, in denen nationalistische Kräfte über Verfechter demokratischer Werte die Oberhand gewannen. Dabei wird deutlich: Der zukünftige Frieden in Europa hängt davon ab, ob wir Russlands Gesellschaft richtig verstehen und entsprechend handeln.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.07.2023
Desillusioniert ist Rezensent Daniel Brössler nach der Lektüre. Gesine Dornblüth und Thomas Franke nehmen ihm die Hoffnung, dass alles wieder gut wird in Russland, sobald das Land Wladimir Putin los wird. Ihr Buch zeichne das Bild eines Landes, das einerseits die stalinistischen Verbrechen nie aufgearbeitet habe und andererseits unter dem aktuellen Regime systematisch auf Empathielosigkeit getrimmt werde - besonders deutlich werde das in der regelrecht sadistischen Soldatenausbildung. Die Oppositionsbewegung kommt laut Brössler im Buch zwar ebenfalls vor, insgesamt jedoch zeichneten die Autoren ein ausgesprochen düsteres Gesellschaftsbild. Brössler hebt hervor, dass Dornblüth und Franke das alles nicht rasch zusammenrecherchiert, sondern in jahrzehntelanger journalistischer Auseinandersetzung mit Russland erarbeitet haben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.03.2023
Rezensent Jörg Thomann kann leider kaum Hoffnung ziehen aus dem jahrelang recherchierten Buch von Gesine Dornblüth und Thomas Franke. Was die Autoren mit viel Anschauungsmaterial aus vierzig Jahren Russlandbeobachtung vorlegen, zeigt für Thomann das ganze Ausmaß der Verrohung der russischen Gesellschaft, die Zerstörung der Opposition im Land, die moralische Kapitulation der Kirche, die Indoktrination der Jugend. Einige Gespräche und Begegnungen im Band findet Thomann zwar nicht mehr relevant für die Gegenwart oder die Autoren vergessen es, ihnen diese Relevanz zu geben, glaubt er. Stark findet der Rezensent das Buch immer dann, wenn es Einzelschicksale über länger Distanzen verfolgt.
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