Aus dem Jiddischen Susan Hiep, Sophie Lichtenstein und Daniel Wartenberg. Hunderttausende ehemalige Verfolgte des NS-Regimes aus aller Herren Länder lebten nach Kriegsende als Displaced Persons auf gepackten Koffern in Deutschland. Israel Kaplan, selbst Überlebender der Shoah, ergriff die einmalige Gelegenheit: In der Zeitschrift "Von der letzten Zerstörung" publizierte er von 1946 bis 1948 zahlreiche ihrer Zeugnisse. Er und etliche Mitstreiter trugen Ghettolieder zusammen, dokumentierten Witze und ghettosprachliche Ausdrücke. Sie schufen so ein Forum für eine Alltags- und Kulturgeschichte der Shoah und würdigten jüdischen Widerstand Jahrzehnte bevor sich die nichtjüdische Holocaustforschung zaghaft dieser Themen annahm.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.05.2021
Hans Holzhaider beginnt seine Besprechung mit einem Ausnahme-Dokument aus dieser Sammlung, nämlich mit dem Bericht einer mutigen Münchnerin, die bei ihrer Heirat zum Judentum konvertiert war und nach dem Tod ihres Mannes trotz der einsetzenden Drangsalierungen mit ihren zwei Kindern dabei blieb - und sich wehrte. Ein erfrischender Bericht, so stellt er fest, während die meisten anderen furchtbare Schilderungen von Grausamkeiten besonders in Osteuropa enthalten: "Stoff für Albträume" nennt er sie. Die Jüdische Historische Kommission hatte 1946 aufgerufen zum Sammeln von Augenzeugenberichten, so informiert Holzhaider, aus Sorge, dass die Gräueltaten vergessen würden; ihre nur kurze Zeit existierende Zeitschrift hat etwa ein Zehntel des Materials veröffentlicht. Nach Auflösung der Zeitschrift wurden die in den über siebzig Auffanglagern der amerikanischen Zone gesammelten Zeugnisse nach Yad Vashem verschifft, erst heute, so der Rezensent, kann die allgemeine Öffentlichkeit dank dieses Buches etwas davon lesen.
Rezensent Klaus Hillenbrand eröffnet seine Rezension mit den ersten Zeilen eines Gedichts, das die Verzweiflung der jüdischen Gefangenen in einem osteuropäischen Konzentrationslager schildert. Anschließend erklärt er, wie es dazu kam, dass wir diese Zeilen eines oder einer unbekannten estländischen Juden oder Jüdin heute lesen können: Wie ein Historiker aus Riga bereits 1946 eine Zeitschrift zum Gedenken und zur Dokumentation der Judenvernichtung gründete. Wie er gemeinsam mit dem neu "Zentralkomitee der befreiten Juden" Berichte, Gedichte, Lieder, Dokumente und Fotografien von Überlebenden sammelte. Das Material in den zehn Ausgaben dieser Zeitschrift so Hillenbrand, sei lange Zeit nur schwer zugänglich gewesen, vor allem, da es auf Jiddisch und in hebräischen Lettern verfasst sei. Den Herausgebern Frank Beer und Markus Roth sei Dank, dass sich dies mit der deutschen, "sorgfältig editierten" Ausgabe nun endlich ändert, so der Rezensent.
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