Die Entstehung der neuzeitlichen europäischen Staaten und ihres Systems zwischen 1300 und 1600 ist aufs engste verbunden mit der Christentumsgeschichte. Nachdem die überdehnten Ansprüche von Papst- und Kaisertum gescheitert waren, ergab sich eine Nationalisierung, Territorialisierung und Kommunalisierung der abendländischen Kirche, mit der das Verlangen nach Reformen und deren teilweise Verwirklichung verbunden waren. In diese Vorgänge vielfältig rückgebunden führte die Reformation ausgehend von den drei Zentren Wittenberg, Zürich und Genf zur Ausbildung von Konfessionen und einer die Gesamtgesellschaft umgreifenden modernisierenden Konfessionalisierung, die freilich gleichzeitig auch erste Säkularisierungstendenzen hervortrieb. In fünf großen Abschnitten (Das Christentum im Spätmittelalter, die Reformation, Konfessionsbildung und Konfessionalisierung, das östliche Christentum, das Christentum in Übersee) geht der Autor den geschilderten Vorgängen nach.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.09.2006
Etwas mehr wäre schön gewesen, scheint Michael Borgolte zu denken. Dass der Autor vor einer umfassenden Geschichte des Christentums (im Vergleich mit anderen Religionen) zurückschreckt und lieber das Süppchen des Reformationsexperten kocht, der er ist, nimmt ihm der Rezensent ein wenig übel. Reformation schön und gut, aber die Chance eines strukturgeschichtlichen Vergleichs innerhalb Westeuropas hätte Gottfried Seebaß nach der Einschätzung Borgoltes ruhig nutzen können. So kann er das Buch "nur" als gründliche und "hervorragende Forschungsbilanz" auf dem Gebiet der protestantischen Theologie loben und es dank seiner "durchdachten" Gliederung und "ausgewählten" Bibliografie jungen Theologiehistorikern ans Herz legen.
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