Der lutherische Pfarrer Johann Jakob Fabricius gehörte zu denen, die sich der immanenten Problematik der lutherischen Rechtfertigungslehre bewusst wurden und Luthers "Reformation der Lehre" durch eine "Reformation des Lebens" vollenden wollten. Aus diesem Ansatz gingen seine radikale Bußpredigt und kritische Schriften hervor, die 1649 zu seiner Verdrängung aus dem Pfarramt im westfälischen Schwelm führten. Danach geriet er in den politischen Streit um das "ius vocandi" und das Kirchenregiment in den kleve-märkischen Ländern zwischen dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm von Brandenburg und den kleve-märkischen Landständen, bei dem er nur noch eine Art Spielball war. Die Landstände, die dem Kirchenregiment des Kurfürsten widersprachen, stempelten den vom Kurfürsten unter Beanspruchung des Kirchenregiments in sein Schwelmer Pfarramt wieder eingesetzten Fabricius als außerhalb des Westfälischen Friedens stehenden Schismatiker ab und konnten auf dem Landtag von 1653 seine endgültige Entlassung durchsetzten. Dieses Buch sucht erstmals das Leben des Fabricius umfassend darzustellen und seine Theologie vor allem anhand seines im "Schwelmer Kirchenstreit" unbeachtet gebliebenen theologischen Hauptwerks von 1649 zu rekonstruieren.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 27.03.2004
Nicht ganz überzeugt zeigt sich Rezensentin Angelika Dörfler-Dierken von Harm Kluetings Buch über den lutherischern Pfarrer Johann Jakob Fabricius, der sich als radikaler Christ in seiner Gemeinde nicht nur Freunde machte. Zwar hält sie dem Verfasser zu Gute, das Leben des streitbaren Gottesmanns mit "gewissermaßen kriminalistischem Ehrgeiz" ausgespäht und dabei viele Details ans Licht gefördert zu haben. Akribisch habe Klueting Archivalien, Manuskripte und Druckschriften zu Fabricius' Person und Werk zusammengetragen. Aber Klueting ignoriert zum Bedauern der Rezensentin weitgehend die geistlichen Anliegen, theologischen Ansichten und die praktische Gemeindearbeit von Fabricius' Kritikern und Gegnern. Und so kommt diese Untersuchung nach Ansicht der Rezensentin, "bei aller Gelehrsamkeit", nicht über eine Faktensammlung zur Fabricius-Biografie hinaus.
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