Politiker müssen etwas zu sagen haben, aber Reden ist auch gefährlich. Jeder Satz kann aus dem Zusammenhang gerissen, auf die Goldwaage gelegt und vom politischen Gegner bewusst fehlinterpretiert werden. Nichts ist so einfach wie man es gerne hätte, aber komplizierte Sachverhalte zu erklären ist in Zeiten von kurzen Aufmerksamkeitsspannen eine besondere Herausforderung. Oft müssen Themen wie die Veräußerungserlösgewinnsteuer erst einmal "übersetzt" werden, um auf ihre Relevanz für Bürgerinnen und Bürger hinzuweisen und damit ihr Interesse zu wecken.Wer in der Politik erfolgreich sein will, lernt früh das zu sagen, was die Wählerinnen und Wähler vermeintlich hören wollen. Und das können auch Halbwahrheiten sein.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.02.2022
Rezensent Boris Herrmann glaubt, Verlag und Autor haben sich überhaupt nicht abgestimmt darüber, worum es in diesem Buch geht. Gregor Gysi kann zum Glück gut und unterhaltsam schreiben, meint er, ansonsten bietet der Band aber weder Einblicke in die geheimen Gedanken der Politik noch eine über das Allgemeine hinausgehende Darstellung zur Redekunst. Was es aber auf alle Fälle bietet, ist ein weiteres Beispiel für die Eitelkeit des Autors, amüsiert sich Herrmann. Gysi plaudert nun mal für sein Leben gern über ein einziges Thema, stellt Herrmann fest: sich selbst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 26.02.2022
FAS-Politredakteurin Friederike Haupt kann verstehen, dass man sich von der "Selbststilisierung zum Whistleblower" im Titel von Gregor Gysis neuem Buch etwas abgeschreckt fühlt, und wie viele Wahrheiten der linke Politiker im Buch dann wirklich liefert, sei streitbar - andererseits wolle er das auch gar nicht: Eher als "Plauderei" verstehe Gysi selbst sein Buch, so Haupt, und die lockere Reflexion auf den oft unfruchtbaren Politikersprech scheint ihr dann in Teilen auch produktiv: die Kritik an vagen Schlagwörtern, etwa an Olaf Scholz' "Respekt", oder der Aufruf zu verständlichen "Übersetzung" von Politik. Gysi ist nicht nur ein guter Redner, sondern auch ein guter und witziger Schreiber, weiß die Kritikerin. Und trotzdem: Nur weil seine Sätze "pointierter" seien als die anderer Politiker seien, seien sie noch nicht aussagekräftiger und verschleiern sogar manches - etwa Gysis jüngst geäußerten verharmlosenden Aussagen zu Russlands Angriff auf die Ukraine, überlegt Haupt.
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