Nach dem Tod seiner ersten, schon 1937 von ihm geschiedenen Ehefrau Hannah Arendt im Dezember 1975 begann Günther Anders in Erinnerung an jene glückliche erste Zeit des Zusammenlebens, seine Notizen aus den Berliner Ehejahren ab 1929 durchzusehen und im Gedenken an Hannah, die er zur ersten und einzigen Liebe seines Lebens verklärte, die philosophischen Gespräche zu rekonstruieren, die sie damals miteinander geführt hatten. Diese "Hannah-Dialoge", die bislang nur in der Handschrift vorlagen, werden hier erstmals von Gerhard Oberschlick ediert. Ein ausführlicher Essay von Christian Dries beleuchtet die Lebens- und Denkwege von Hannah Arendt und Günther Anders und hilft, die Dialoge in das Lebenswerk der beiden Protagonisten einzuordnen.
Als "merkwürdigste Neuerscheinung" dieses Frühjahrs bezeichnet Rezensentin Elisabeth von Thadden dieses Buch, und es wird sehr klar, was sie damit meint: Das Buch besteht aus zwei Teilen, der erste, Hauptteil, umfasst Günther Anders Erinnerungen an seine Ehe mit Hannah Arendt, und dieser Part hat Thadden einfach betreten zurückgelassen. Seitenweise lässt Anders seine Dialoge mit Arendt Revue passieren, wobei sie meist staunend dasteht, während er recht hat. Thadden formuliert es schön maliziös: Männlich beweise er "Mut zum Auftrag, es besser zu wissen". Die Rezensentin empfiehlt aber, sich von diesen nachträglichen Grandiositätsbeweisen nicht abhalten zu lassen, denn den zweiten Teil des Buches kann sie sehr empfehlen. Hier entwirft Christian Dries eine biografische Skizze des Lebens der beiden, die sie sehr berührt und gefesselt gelesen hat. Und nach all den bitteren Wendungen, die das Schicksal Günther Anders bereitet hat, zeigt sie dann doch wieder Nachsicht und Mitgefühl.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2012
Immerhin, in der "Kirschenschlacht", diesem kleinen Büchlein aus der Erinnerung, behält Günther Anders das letzte Wort, schreibt Susanne Klingenstein in ihrer Rezension, aber eigentlich liest sie die "Schlacht" als den Text eines sehr traurig gescheiterten Liebenden, denn "Hannah lässt sich nicht zähmen". Sie hat ihn bald verlassen. So sehr Anders ihr mit seiner Philosophie der Monaden und am Ende mit einer Aufweichung dieser Philosophie auch imponieren will: Hannah geht zu Blücher, und gegen Heidegger vermag er schon gar nichts. Für Klingenstein ist dies Buch bei aller Traurigkeit eine gewinnende Lektüre, "eines der befremdlichsten Bücher über Hannah Arendt" - aber ein sehr rührendes über Günther Anders.
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