Mit 44 Abbildungen. Goethe war kein Freund der Französischen Revolution. Er nannte sie "das schrecklichste aller Ereignisse" und erklärte: "Ihre Greuel standen mir zu nahe." Gustav Seibts Untersuchung zeigt, wie wörtlich das zu verstehen ist, und führt uns mitten hinein in die Belagerung von Mainz 1793, die Goethe als Augenzeuge und als Handelnder miterlebte. Was hat sich im Juli 1793 wirklich abgespielt? Warum mündete die Mainzer Republik in Wochen des Bürgerkriegs und reaktionären Terror? Welche Rolle hat Goethe in diesen verstörenden Ereignissen gespielt und wie hat er sie gedeutet? All diesen Fragen geht Seibt immer nah an den Quellen nach und beleuchtet dabei nicht nur Goethes Haltung zum wichtigsten Umbruch seiner Epoche neu, sondern wirft auch ein ungewohntes Licht auf eine fatale Weichenstellung in der deutschen Geschichte - Deutschlands Abwendung von den Idealen der Französischen Revolution. Seibts Buch ist eine Erzählung von Terror und Wut und dem Versuch, den Kreislauf der Gewalt zu unterbrechen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2015
Goethes Ausspruch, wonach er "lieber eine Ungerechtigkeit begehen als Unordnung ertragen" wolle, wird gerne zitiert, weiß Alexander Honold, leider allerdings allzu oft ohne die "brodelnde Schlacke seiner Entstehung" zu bedenken, erfährt der Rezensent in Gustav Seibts Studie "Mit einer Art von Wut". Auf die führt der Autor in seinem Buch zurück, in gewohnter Manier auf eine singuläre Szene zugespitzt, erklärt Honold: ein Lynchmob will in Mainz einen Clubbisten, einen Kollaborateur der französischen Revolutionäre, totschlagen, was Goethe, so die Geschichte, zum einschreiten bewegte, weil er die Sache der Konterrevolutionäre durch willkürliche Gewaltanwendung gefährdet sah, fasst der Rezensent zusammen. Seibt beschreibt ausführlich Goethes Verhältnis zur Revolution anhand dieser Szene, wozu er zahlreiche Passagen aus dem Werk heranzieht, die ein wesentlich komplexeres Bild zeichnen als der isolierte Ausspruch glauben machen mag, so Honold.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 20.12.2014
Rezensent Manfred Koch kann nur staunen: Dass Goethe Zivilcourage übte und forderte, noch bevor der Begriff überhaupt existierte und ein Verständnis davon, lehrt ihn Gustav Seibt in seinem Goethe-Buch. Der Autor begleitet den Schriftsteller nach Paris und Mainz, wo es 1792 gegen die Französische Revolution ging und legt damit, wie Koch versichert, nicht ein weiteres Buch zum uferlosen Thema "Goethe und die Revolution" vor, sondern folgt Goethe ganz konkret in das Kampfgeschehen. Was Seibt dabei laut Rezensent erkennt, wie Goethe nämlich die Revolution als Auslöser einer Verkettung von krasser körperlicher Gewalt und Gegengewalt kennenlernte, scheint Koch neu. Und auch was Goethe daraus ableitete, an Gedanken und Taten, wie sie Seibt diskutiert.
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