Vivant Denon, Direktor des Louvre in seiner allerersten Glanzzeit, war eine der schillerndsten Figuren Europas im Zeitalter der Französischen Revolution. Seine Lebensgeschichte ist eine Geschichte der Kunst und der Epoche, in der er lebte, sie führt durch halb Europa und nach Ägypten, auf die Schlachtfelder der Napoleonischen Kriege und in die großen Kunstsammlungen der Zeit, nach Berlin, Kassel, Braunschweig, München, Wien und Schwerin, sowie immer wieder nach Venedig und Paris. Sie ist auch die Geschichte einer großen, in wundervollen Briefen dokumentierten Liebe, die die Wirren der Revolutionsepoche überdauerte.
In Frankreich müssen Schulkinder sich den Namen Vivant Denon Jahr um Jahr reinpauken, hierzulande war der Kunstsachverständige Napoleons außerhalb der Fachkreise lange Zeit unbekannt, weiß Rezensent Christian Demand. Reinhard Kaisers Denon-Biografie "Der glückliche Kunsträuber" soll endlich Abhilfe schaffen, so der Rezensent. Während die Jahre im Dienste Napoleons bestens dokumentiert sind, fehle es allerdings für Denons Jugend und beruflichen Werdegang an Quellen. Kaiser versucht sich dem jungen Italienreisenden deshalb über seine romantische Korrespondenz zu nähern, was immerhin eingeschränkte Skizzen erlaubt, erklärt der Rezensent. Die wirklich spannenden Jahre, in denen Denon Napoleon auf Feldzügen begleitete und nach Leibeskräften Kunstschätze konfiszierte, um die heimatlichen Museen zu bestücken, sind von Kaiser aber wunderbar detailliert beschrieben, lobt Demand.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2016
Stephan Wackwitz erfährt bei Reinhard Kaiser alles Nötige, um die Bedeutung Baron Dominique Vivant Denons als Kunstberater Napoleons und Louis XVI. und Schöpfer des Weltkanons der bildenden Kunst richtig einzuschätzen. Unterhaltsam und kulturgeschichtlich aufschlussreich erscheint ihm Kaisers wissenschaftliche Biografie, die den Baron in seiner ganzen Vielseitigkeit zeigt, als Reisenden in Sachen Kunst, französischen Kulturminister avant la lettre, Freund Goethes wie Stendhals und Frauenheld. Ein Leben wie ein Roman, meint Wackwitz, das man erfinden müsste, wenn es nicht schon gelebt worden wäre.
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