Aus dem Niederländischen von Sylke Hachmeister. In Pollekes elfjährigem Leben scheint im Augenblick etwas schief zu gehen. Es stört sie ja gar nicht, dass ihre Eltern geschieden sind. Sie hat ihren Papa sehr lieb, und sie hat eine prima Mama. Ihr Lehrer ist eigentlich auch ganz in Ordnung, aber es gehört sich doch nicht, dass sich der Klassenlehrer in die eigene Mama verliebt. Und eigentlich ist Polleke sogar selbst schuld an allem. Aber sie gibt die Hoffnung nicht auf, dass am Ende doch alles gut wird, auch mit Mimun, dem liebsten Jungen auf der ganzen Erde und im ganzen Weltall, mit Papa, mit Mama und - wenn es denn sein muss - mit dem Lehrer.
Andreas Steinhöfel ist zwar nicht sicher, ob sich Kinder beim Lesen dieses Buchs "ebenso scheckig lachen wie erwachsene Leser". Denn seiner Ansicht nach muss man schon sehr genau acht geben, um hinter der Witzigkeit der Protagonistin auch ihre "giftig schillernde Verzweiflung" zu erkennen. Insgesamt jedoch zeigt sich Steinhöfel begeistert, besonders weil hier viele Themen, die anderswo ganze "Bücher füllen" würden, hier beiläufig abgehandelt werden: Zeugung im Reagenzglas, ethnische Zugehörigkeiten, ein drogensüchtiger Papa und Beziehungskrisen der Mutter. Gut gefällt dem Rezensenten auch, dass hier mehrfach die Rollen von Kindern und Erwachsenen vertauscht erscheinen, etwa wenn die Mutter zu Polleke ins Bett kriecht, um sich auszuheulen oder der Vater "wegen Rauschgifthandels bei der Polizei rausgepaukt werden" muss. Insgesamt jedoch handelt es sich um ein lustiges Buch, versichert Steinhöfel: "Die Kleine ist so witzig, dass es kracht". Und auch die Liebe siegt am Schluss, verrät der Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 02.03.2001
Obwohl der Autor nach Martina Knoben schon fast sechzig Jahre alt ist, so ist es ihm ihrer Ansicht nach in diesem Buch hervorragend gelungen, sich in die Perspektive einer Heranwachsenden hinein zu versetzten. Allerdings handelt das Buch nicht nur vom Kindsein als solchem, informiert die Rezensentin, sondern enthält vor allem auch Kommentare der elfjährigen Polleke zum Wesen der heutigen Patchwork-Familie. So werden etwa Überlegungen angestellt, wieso Väter oft woanders wohnen und man möglicherweise einen Vater nicht so nennt, weil er genau genommen auch keiner ist, wieso manche Kinder ihre Väter nicht einmal kennen, und dass es auch "Väter aus einem Reagenzglas" gibt. Auch die Beziehungsrangeleien Erwachsener sieht Knoben hier auf bisweilen recht entlarvende Weise gleichermaßen präzise wie amüsant aus der Sicht Pollekes geschildert.
Norbert Gstrein: Im ersten Licht Zwei Weltkriege, ein Jahrhundert: ein eigenwilliges Leben voller Schönheit, Tragik und Widersprüche. Norbert Gstrein schenkt uns ein ganzes Menschenleben. Dabei ist jedes… Jana Hensel: Es war einmal ein Land In ihrem neuen Buch erzählt die Bestsellerautorin Jana Hensel vom Ende eines großen Traums. Denn das, was vor über 35 Jahren als Aufbruch in eine neue Ära begann, wird nun… Robert Menasse: Die Lebensentscheidung Frustriert von den Mühlen der Bürokratie, trifft Franz Fiala eine "Lebensentscheidung" und wirft seinen Job bei der Europäischen Kommission hin. Als er seine Mutter zum 89.… Judith Hermann: Ich möchte zurückgehen in der Zeit Judith Hermann folgt den Spuren ihres Großvaters, der während des Zweiten Weltkriegs für die SS im polnischen Radom stationiert war. Sie verknüpft ihr Schreiben mit seiner…