"Mein Vater nahm mich zur Seite und überreichte mir feierlich mehrere gelbe Umschläge", dies die Erinnerung des Autors an den Beginn seiner Recherchen zu diesem Buch. Es stellt sich heraus, dass es sich dabei um Überreste von parteiinternen Korrespondenzen der NSDAP handelte, die 1933 aus einem Papierkorb gefischt worden sind. Der Basler Historiker Guy P. Marchal begibt sich auf die Suche: Er stößt auf Informationen, welche die Nazivergangenheit des Geschäftspartners und Schwagers seines Vaters sowie dessen Verbindungen zu Wilhelm Gustloff, Leiter der NSDAP Landesgruppe Schweiz in Davos, bestätigen. Der Autor nimmt die Leserin, den Leser mit auf seine Nachforschungen und in die Archive. Das macht die Erzählung zu einem Forschungskrimi, der schließlich aufdeckt, wie Nationalsozialisten es verstanden, sich nach dem Krieg reinzuwaschen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.01.2020
Thomas Maissen bekommt mit Guy P. Marchals Nachforschungen zu seiner Familiengeschichte einen veritablen Forschungskrimi (so auch der Untertiel des Buchs). Wie der Autor das durch seinen Vater überlieferte Material zum Nationalsozialisten Max Saurenhaus erkundet, mit Fiktion ergänzt und den Leser an seinem Vorgehen und der Genese der Studie teilhaben lässt, findet Maissen aufregend und erhellend. Das für einen Historiker ungewöhnliche Verhalten eröffnet ihm Einblicke in die historische Forschung als einem sich dauernd verändernden Annäherungsprozess. Auch wenn vieles in der Saurenhaus-Geschichte ungereimt bleibt, ist der Gewinn für den Leser doch beträchtlich, versichert der Rezensent.
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