Hanna Sohns

Wildwuchs der Worte

Zum Schreiben von Clarice Lispector
Cover: Wildwuchs der Worte
Edition Text und Kritik, München 2025
ISBN 9783689300487
Kartoniert, 140 Seiten, 19,00 EUR

Klappentext

Clarice Lispector (1920-1977) wurde in der Ukraine geboren und lebte nach ihrer Flucht vor allem in Rio de Janeiro. Ihr dichterisches Werk wurde wenig erschlossen, gehört aber unbestritten zur Weltliteratur. Ihr Schreiben folgt dem unbedingten Verlangen nach der Unmittelbarkeit des Lebens. Lispector will "den bebenden, lebendigen Nerv des Jetzt" spüren. Die Figuren ihrer Romane und Erzählungen treten aus einem vorgezeichneten Leben und vollziehen einen vielleicht unmöglichen Prozess der Befreiung. Lispectors Texte denken das Leben nicht in Form von Grenzen zwischen Natur und Kultur, sondern als ständige Vermischung. Die Natur ist kein getrennter Raum, sie "ist einnehmend: sie umgarnt (…) mit Haut und Haaren und ist sexuell lebendig". Sie verschlingt und überwuchert das wahrnehmende Ich und auch den Raum der Schrift. Das Schreiben soll zur pflanzlichen Substanz oder zum "lebendigen Wasser" werden. Statt die Natur in einen äußeren Raum zurückzudrängen und aus der Distanz des Denkens heraus zu beschreiben, nähern sich ihre Texte dem organischen Leben an und erzählen von einer anderen Welt. Lispector sucht nach der "dichten Wildnis der Wörter". 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.09.2025

Mit Luis Rubys Neuübersetzung des Romans "Die Passion nach G.H." rückt Clarice Lispectors radikaler Text neu ins Licht, schreibt Rezensent Tobias Lehmkuhl. Statt einer klassischen Handlung gibt es eine "zweihundertseitige Meditation" über Selbstfindung - ausgelöst durch die Begegnung mit einer zerquetschten Kakerlake. Der Rezensent hebt hervor, wie sehr Ruby die Widerspenstigkeit des Originals bewahrt und damit Lispectors Mischung aus existenzialistischer Abstraktion und mystischer Ekstase spürbar macht. In diesem fast Beckett'schen Kammerspiel gerät Sprache selbst an ihre Grenzen: Sie soll, wie es heißt, zu einer "geraden Linie im Weltraum" werden. Parallel dazu erinnert Hanna Sohns' Studie an den "Wildwuchs der Worte" in Lispectors Werk. Beide Bücher zeigen dem Kritiker, wie diese Autorin Form und Begriff verweigert - um das chaotisch Lebendige zu bewahren. 

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