Aus dem Spanischen von Silke Kleemann. Buenos Aires, 1952: Ricardo Klement alias Adolf Eichmann hat Pech, denn ausgerechnet an dem Tag, an dem seine Frau Vera mit den Söhnen endlich aus Deutschland in Buenos Aires eintreffen werden, sind alle Blumen ausverkauft. Offiziell gibt sich Klement als der Onkel seiner Söhne aus, um unerkannt zu bleiben. Der einstige Cheforganisator der Deportationszüge nach Auschwitz führt im argentinischen Exil ein bescheidenes Leben und trifft bisweilen im Restaurant "Zur Eiche" zahlreiche SS-Angehörige und NSDAP-Funktionäre zum gemütlichen Plausch. Diese werden nicht nur vom deutschen Botschafter gedeckt, sondern auch von der argentinischen Regierung und Juan Perón unterstützt. Nur wenn sich an den Nachbartischen emigrierte jüdische Familien zum Abendessen niederlassen, wird es für die Nazigrößen ungemütlich - was, wenn jemand sie erkennt?
Rezensent Christoph Ohrem versteht Ariel Magnus' Eichmann-Porträt als Selbstermächtigung und Einspruch gegen das Vergessen. Dabei scheint ihr das Vorgehen des Autors, Eichmann privat im Exil zu zeigen und seine menschenverachtenden Gedanken wiederzugeben, höchst riskant. Zum Glück ist die Distanz des Autors zu seiner Figur für Ohrem immer spürbar, so wenn Magnus Eichmann lächerlich macht. Irreführend findet die Rezensentin den deutschen Titel des ihrer Meinung nach stilistisch eher konventionellen Romans. Der Text macht gerade deutlich, dass Eichmann in Argentinien derselbe Mann ist, der den Holocaust organisierte, meint sie.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.08.2021
Rezensent Dirk Fuhrig empfiehlt den Roman von Ariel Magnus über Eichmann als Teufelaustreibung und bisweilen höchst gruselige Geschichtsstunde. Den Mythos Eichmann dekonstruiert der Autor laut Fuhrig mit einer psychologischen wie spöttischen Darstellung des Massenmörders als fanatisiertem Kleinbürger. Auch wenn manche humorige Formulierung im Text den Rezensenten zusammenzucken lässt, Eichmann als Allerweltsgestalt im argentinischen Exil vermittelt ihm der Autor prägnant und mit der gebotenen Distanz. Die "feinsinnige" Übersetzung von Silke Kleemann bringt das gekonnt ins Deutsche, lobt Fuhrig.
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