Hanno Sauer

Klasse

Die Entstehung von Oben und Unten
Cover: Klasse
Piper Verlag, München 2025
ISBN 9783492071413
Gebunden, 368 Seiten, 26,00 EUR

Klappentext

Klassen durchdringen das gesamte Leben: unsere Werte, unsere Gefühle, unsere Freundschaften und Beziehungen, unseren Geschmack und unseren Lebensstil, unseren Beruf und unsere Finanzen. Es ist ein Thema, das wohl alle beschäftigt. Hanno Sauer untersucht, woher unsere Vorstellungen von Klasse und Status rühren, wie sie unsere Gesellschaft prägen und wie viele Klassen es eigentlich genau gibt. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.09.2025

Sehr freundlich bespricht Rezensent Nicolas Kurzawa Hanno Sauers Buch über soziale Klasse. Dabei ist er erst durchaus skeptisch, hat sich der Philosoph doch vorgenommen, in seinem vergleichsweise schmalen Buch diverse, eingangs auch gleich ausformulierte, Grundfragen der Sozialwissenschaften zu beantworten - Fragen, die sich um Themen wie Ungleichheit und Solidarität drehen. Fundamental ungleich ist die Gesellschaft laut Sauer, und letzten Ende liegt das daran, dass Klasse als eine Kategorie sozialer Knappheit konstruiert wird. Bei der Ausbildung der Klassen spielen Statusunterschiede eine Rolle, erfährt der Rezensent von Sauer, der in seinen Analysen auf zahlreiche Disziplinen von Psychologie bis Philosophie zurückgreift. Ein originelles Buch, man lernt hier viel über diverse Themen, etwa auch darüber, warum die europäischen Reichen langweiliges Essen bevorzugen. Etwas arg großspurig ist das hier und da doch geraten, meint der Rezensent einschränkend, etwa wenn Adorno nebenbei abgekanzelt wird, auch manche argumentative Volte ist fragwürdig, so zum Beispiel die Verquickung von Biologie und Soziologie. Dennoch fällt das Fazit klar positiv aus, nicht zuletzt, weil Sauer hier nur thesenhafte Impulse liefert und gar nicht den Anspruch hat, alle Facetten seines Themas abschließend auszuerklären.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.09.2025

Rezensent Ijoma Mangold liest Hanno Sauers Buch über Klasse mit viel Interesse. Genauer gesagt geht es Sauer um die Relevanz der Kategorie Klasse, räumt der Kritiker ein, denn der Autor glaube nicht daran, dass Klassengegensätze durch Umverteilung behoben werden könnten - weil das Problem, auf das Klassenbildung reagiert, nicht Knappheit sei, sondern sozialer Orientierungsbedarf. Bis in vorgeschichtliche Zeiten blickt Sauer zurück und findet laut Mangold überall Klassen. Dabei orientieren sich die Menschen an sogenannten "teuren Signalen", also an fälschungssicheren Alleinstellungsmerkmalen, und da ein Merkmal nur alleinstellend ist, wenn es rar ist, reicht selbst ein Porsche irgendwann nicht mehr aus, lernt der Kritiker. Stattdessen verlegt man sich laut Sauer in der Moderne zunehmend auf immaterielle Statussymbole, ein Beispiel dafür sind Medienmenschen, die ihr vergleichsweise geringes Einkommen durch kulturelle Distinktionswut ausgleichen. An dieser Stelle, meint Mangold, bestätigt Sauer seine Thesen performativ selbst, denn auch er stellt seine intellektuelle Brillanz ziemlich offensiv aus. Eine evolutionsbiologische Erklärung für den Fortbestand von Klassengegensätzen liefert Sauer dann auch noch. Das ist schon alles ziemlich brillant, findet Mangold.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 01.09.2025

Interessiert bespricht Rezensent Guido Kalberer Hanno Sauers Buch über soziale Klassen. Der Philosoph beschäftigt sich laut Kalberer zunächst mit deren Entstehung und stellt dar, wie dabei nicht nur Reichtum und ausgestellter Konsum, sondern auch Lebensstilfragen eine Rolle spielen, beziehungsweise "symbolisches Kapital". Sauer glaubt Kalberer zufolge nicht, dass es Gesellschaften ohne Klassen gibt, und er beschäftigt sich im Weiteren mit den vier bekannten Klassen unserer Gegenwart, Oberschicht, obere Mittelschicht, Mittelschicht und Unterschicht. Die Klassen, beschreibt der sich selbst in der Oberschicht verortende Autor, so Kalberer,  sorgen durch bestimmte Markierungen dafür, dass sie exklusive Clubs bleiben, was durchaus auch Ungleichheit befördert. Gut lesbar ist das alles und auch nicht ideologisch engstirnig, freut sich ein Rezensent, der Sauers Thesen im Großen und Ganzen zuzustimmen scheint.

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