Gabriel Zucman

Reichensteuer

Aber richtig!
Cover: Reichensteuer
Suhrkamp Verlag, Berlin 2026
ISBN 9783518001387
Broschiert, 63 Seiten, 12,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Ulrike Bischoff. Gabriel Zucman gehört zu den bekanntesten und renommiertesten Ökonomen weltweit. Seit Jahren forscht er zu Steuergerechtigkeit und Steuervermeidung. Gerade diejenigen, so sein Befund, die ein im wahrsten Sinne des Wortes unvorstellbares Vermögen angehäuft haben, leisten oft keinen angemessenen Beitrag zur Finanzierung öffentlicher Kassen. Das ist nicht nur ein Problem für die Staatsfinanzen, sondern auch eine eklatante Verletzung des Gleichheitsgrundsatzes. Im Februar 2025 votierte die französische Nationalversammlung für die "Taxe Zucman": eine Steuer von zwei Prozent für Superreiche. Seither steht Gabriel Zucman im Zentrum einer hitzigen Debatte. Während einer der reichsten Menschen der Welt ihn persönlich diffamierte, wird er auf den Straßen Frankreichs gefeiert. In seinem neuen Buch erläutert er seinen Vorschlag und erklärt, wie eine solche Steuer auch in Deutschland funktionieren könnte. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.04.2026

Rezensent Nicolas Kurzawa freut sich über dieses Buch, das dem Titel zum Trotz gerade kein Beitrag zu einem Kulturkampf um Steuern sein will. Seinen Ausgangspunkt nimmt die kurze Schrift des Ökonomen Gabriel Zucman bei einer simplen Beobachtung, der man schlicht nicht widersprechen kann: Die Superreichen werden immer reicher. Es geht also nicht um bloß Wohlhabende, sondern um Milliardäre, die aufgrund von Schlupflöchern und juristischem Beistand deutlich weniger Steuern zahlen als der Durchschnitt, wie Zucman mit Blick auf französische Zahlen zeigt, wie wir lesen. Das Vermögen dieser wenigen steigt deshalb rapide und unverhältnismäßig, resümiert Kurzawa, was nicht zuletzt die Demokratie gefährdet. Zucman unterbreitet hierzu einen Lösungsvorschlag, der, das gefällt Kurzawa, ohne Klassenkämpferrhetorik auskommt. Ein wichtiges Buch, das auch in Deutschland gelesen werden sollte, heißt es zum Schluss.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.02.2026

Der Vorschlag Gabriel Zucmans, Reiche mehr zu besteuern, geht in der vorliegenden Form an der politischen Realität vorbei, kritisiert Rezensent Tobias Straumann. Zwei Hauptschwächen macht der Kritiker in Zucmans Essay aus: Die Umsetzung einer Reichensteuer in Frankreich wird wohl zur Abwanderung der Milliardäre führen, weshalb der Autor eine globale Einführung der Mindeststeuer fordert. Deren Umsetzung ist allerdings höchst unwahrscheinlich, erklärt der Kritiker, die USA und China würden sich dem verweigern. Zweitens müsste Zucman seinen Vorschlag mit einem umfassenderen Vorschlag für Steuerreformen verbinden, der Reichen und Unternehmern Anreize bietet, ein "stärkeres steuerliches Engagement" einzugehen. Historische Beispiele zeigen, dass eine Reichensteuer nur funktioniert, wenn sie im Kontext von größeren Reformen umgesetzt wird - deshalb kann Zucman der Kritiker hier nicht überzeugen. 

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.01.2026

Für den Rezensenten Bert Rebhandl und die Linke klingen die Vorschläge des Wirtschaftswissenschaftlers Gabriel Zucman für eine "Reichensteuer" eher wie ein "kleiner Wurf". Dass Zucmans Modell, das im Buch knapp dargestellt wird, eine Begründung hat, glaubt Rebhandl allerdings. Das im Buch auf Frankreich angewandte Modell einer zweiprozentigen Vermögenssteuer erscheint Rebhandl auf andere Länder übertragbar, auch wenn der Effekt in Deutschland "nur" etwa 17 Milliarden betragen würde, wie der Rezensent errechnet. Die Hoffnung von Teilen der Linken dürfte weit darüber hinaus gehen, meint Rebhandl.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.01.2026

Rezensent Michael Hesse liest Gabriel Zucmans Buch als pointierte, gut belegte Intervention gegen die steuerliche Schonung der Superreichen. Der Ökonom zeigt, dass das Problem nicht national, sondern strukturell ist: Ultrareiche organisieren ihr Vermögen so, dass kaum "steuerbares Einkommen" entsteht, während das System erst "ganz oben regressiv" wird. Zucmans Vorschlag einer Mindeststeuer von zwei Prozent auf Nettovermögen über 100 Millionen Euro begründet er mit Gerechtigkeit, "budgetärer Nachhaltigkeit" und dem Schutz der Demokratie: rund 17 Milliarden Euro jährlich seien realistisch, erfahren wir. Hesse hebt hervor, wie schlüssig Zucman Einwände entkräftet: Besteuert werde "der Eigentümer, nicht die Firma", Illiquidität sei oft "bewusst organisiert". Historische und technische Gegenargumente entzaubert der Autor ebenso nüchtern. Der Band, so Hesse, ist knapp, auf den Punkt und endet bewusst optimistisch: Politischer Widerstand sei groß, doch demokratische Kräfte würden langfristig unterschätzt. 

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 19.01.2026

Gabriel Zucman will die Reichensteuer, erklärt Rezensent Jakob Hayner: Der Wirtschaftsprofessor kritisiert, dass Superreiche oftmals vergleichsweise wenig Einkommenssteuer zahlen, weil ihr Vermögen in Aktien und Unternehmen steckt. Das führe dann zu so kuriosen Situationen, dass Jeff Bezos Familienbeihilfe beziehen kann. Dem will Zucman mit einer nach ihm benannten Steuer entgegenwirken, schildert Hayner, es soll in Frankreich eine "pauschale Mindeststeuer" von zwei Prozent ab hundert Millionen Euro Vermögen geben. Dieser Vorschlag solle auch abmildern, dass vor allem mittlere und untere Verdienstklassen unter der Einkommensteuer litten. Auf nur 63 Seiten kann der Autor dem Kritiker mit vielen Argumenten zeigen, warum eine Reichensteuer richtig ist und im Laufe der Zeit  auch selbstverständlich werden könnte.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 14.01.2026

Rezensent Nils Schniederjann stellt Gabriel Zucmans Essay als selten klare, kompakte und "elegante" Intervention vor: Ausgangspunkt ist der Befund, dass Milliardäre "fast nichts zur Finanzierung des Gemeinwesens" beitragen, weil sie Einkommen über Holdings beziehen, erfahren wir. Zucmans pragmatische Lösung: eine jährliche Mindeststeuer von 2 Prozent auf Vermögen über 100 Millionen, die allein in Deutschland rund 17 Milliarden Euro brächte. Das sei Frage der Gerechtigkeit, der "budgetären Nachhaltigkeit" und der Demokratie. Einwände wie Kapitalflucht räumt er nüchtern ab ("Wegziehen lohnt sich nicht"), die Darstellung bleibt "präzise" und gut verständlich auf knapp fünfzig Seiten. Besonders überzeugt die positive Zukunftsvision: Wie einst die Einkommenssteuer werde sich auch diese Reform durchsetzen und zum "Eckpfeiler" moderner Solidarität und wirtschaftlicher Entwicklung werden, am Ende eine "Selbstverständlichkeit". 

Buch in der Debatte

9punkt 24.04.2026
Der französische Wirtschaftswissenschaftler Gabriel Zucman fordert in seinem Buch "Reichensteuer - Aber richtig!" eine Steuer für Menschen mit einem Vermögen von mehr als 100 Millionen Euro. Der Grund: Die Superreichen zahlen zur Zeit insgesamt weniger Steuern als Bürger mit einem Durchschnittseinkommen, erklärt er im Interview mit dem Tagesspiegel. "Wissenschaftler und Steuerbehörden in Frankreich, den Niederlanden, Italien, Schweden, Norwegen, Brasilien und den USA haben das in gemeinsamen, umfangreichen Studien gezeigt", versichert er. "Es geht um eine Steuer für Menschen, deren Vermögen in Frankreich in den vergangenen vierzig Jahren um durchschnittlich zehn Prozent pro Jahr gestiegen ist. Selbst wenn es diese Steuer von zwei Prozent schon in den vergangenen vierzig Jahren gegeben hätte, wäre das Vermögen der Reichen immer noch um acht Prozent pro Jahr gestiegen, also immer noch doppelt so viel wie das Vermögen eines durchschnittlichen Franzosen. Die Vorstellung, dass das die französische Wirtschaft ruinieren könnte, ist schwer zu glauben." Unser Resümee

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