Am Fuße des Monte Verita trafen sich über 70 Jahre hinweg Gelehrte, um über eine geistige Welt zu sprechen, über Fragen, die den Menschen in seinem Wesen angehen und berühren, Fragen, die tiefgründig und weitreichend existentiell sind. Ob nun C.G. Jung oder Mircea Eliade, ob Gershom Scholem oder Henry Corbin ? und Dutzende weiterer Namen könnten genannt werden ?, sie alle hatten eine Ziel: die Welt um jenen geistigen Bereich zu erweitern, der zum Menschsein einfach dazugehört. Das Buch zeichnet die Geschichte der Eranos-Tagungen nach, jener Begegnungsstätte zwischen Ost und West, zwischen Wissenschaft und Esoterik, die maßgeblichen Einfluss auf die Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts hatte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2001
Mithilfe von Interviews und gründlichen Recherchen hat Hans Thomas Hakl die Geschichte des Eranos-Kreises und seiner Protagonistin Olga Fröbe-Kapteyn aufgearbeitet, die im Ascona der 30er Jahre regelmäßig Gäste wie Martin Buber, Mircea Eliade, Erik Hornung, Karl Kerényi, Louis Massignon, Rudolf Otto, Annemarie Schimmel, Gershom Scholem und vor allem C.G. Jung zu einem sommerlichen Symposion bat, schreibt Rezensent Helmut Zander. "Längen, die sein Text im Stakkato der jahrgangsweisen Darstellung" besitze, würden durch Hakls biografische Exkurse zu einzelnen Teilnehmern und seine anekdotische Erzählweise über das "Bayreuth der Tiefenpsychologie" (so Helmuth Plessner) gemildert. In der nach dem Wunsch der "großen Mutter" Olga Fröbe-Kapteyn männerdominierten Vortragsrunde sei das politische Gespräch verpönt und in der Zeit zwischen 1933 und 1945 die Casa Gabriella eine schützende Enklave des freien Geistes gewesen. Der Rezensent macht darauf aufmerksam, dass über das Eranos-Verhältnis zu autoritären und totalitären Geisteshaltungen "noch nicht das letzte Wort gesprochen" ist. Einige der Mitglieder (beispielsweise Eliade) hätten faschistische Systeme aktiv unterstützt. Nach Meinung des Rezensenten war das Programm der "Philosophia perennis", der "ewigen Weisheit" leider "ambivalent", so dass sie sowohl "egalitär wirken" als auch "monokratischem Anspruch auf das eine, wahre Wissen" genügen könne.
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