Hans Thomas Hakl

Der verborgene Geist von Eranos

Unbekannte Begegnungen von Wissenschaft und Esoterik. Eine alternative Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts
Cover: Der verborgene Geist von Eranos
scientia nova Verlag, Bretten 2001
ISBN 9783935164023
Broschiert, 473 Seiten, 39,88 EUR

Klappentext

Am Fuße des Monte Verita trafen sich über 70 Jahre hinweg Gelehrte, um über eine geistige Welt zu sprechen, über Fragen, die den Menschen in seinem Wesen angehen und berühren, Fragen, die tiefgründig und weitreichend existentiell sind. Ob nun C.G. Jung oder Mircea Eliade, ob Gershom Scholem oder Henry Corbin ? und Dutzende weiterer Namen könnten genannt werden ?, sie alle hatten eine Ziel: die Welt um jenen geistigen Bereich zu erweitern, der zum Menschsein einfach dazugehört. Das Buch zeichnet die Geschichte der Eranos-Tagungen nach, jener Begegnungsstätte zwischen Ost und West, zwischen Wissenschaft und Esoterik, die maßgeblichen Einfluss auf die Geistesgeschichte des 20. Jahrhunderts hatte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 21.11.2001

Mithilfe von Interviews und gründlichen Recherchen hat Hans Thomas Hakl die Geschichte des Eranos-Kreises und seiner Protagonistin Olga Fröbe-Kapteyn aufgearbeitet, die im Ascona der 30er Jahre regelmäßig Gäste wie Martin Buber, Mircea Eliade, Erik Hornung, Karl Kerényi, Louis Massignon, Rudolf Otto, Annemarie Schimmel, Gershom Scholem und vor allem C.G. Jung zu einem sommerlichen Symposion bat, schreibt Rezensent Helmut Zander. "Längen, die sein Text im Stakkato der jahrgangsweisen Darstellung" besitze, würden durch Hakls biografische Exkurse zu einzelnen Teilnehmern und seine anekdotische Erzählweise über das "Bayreuth der Tiefenpsychologie" (so Helmuth Plessner) gemildert. In der nach dem Wunsch der "großen Mutter" Olga Fröbe-Kapteyn männerdominierten Vortragsrunde sei das politische Gespräch verpönt und in der Zeit zwischen 1933 und 1945 die Casa Gabriella eine schützende Enklave des freien Geistes gewesen. Der Rezensent macht darauf aufmerksam, dass über das Eranos-Verhältnis zu autoritären und totalitären Geisteshaltungen "noch nicht das letzte Wort gesprochen" ist. Einige der Mitglieder (beispielsweise Eliade) hätten faschistische Systeme aktiv unterstützt. Nach Meinung des Rezensenten war das Programm der "Philosophia perennis", der "ewigen Weisheit" leider "ambivalent", so dass sie sowohl "egalitär wirken" als auch "monokratischem Anspruch auf das eine, wahre Wissen" genügen könne.

Themengebiete


Beliebte Bücher

Elias Hirschl. Schleifen - Roman. Paul Zsolnay Verlag, Wien, 2026.Elias Hirschl: Schleifen
Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In…
Julian Barnes. Abschied(e). Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln, 2026.Julian Barnes: Abschied(e)
Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte…
Dorothee Elmiger. Die Holländerinnen - Roman. Carl Hanser Verlag, München, 2025.Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen
Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter…
Leila Slimani. Trag das Feuer weiter - Roman . Luchterhand Literaturverlag, München, 2026.Leila Slimani: Trag das Feuer weiter
Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…