Mit "Die Wurzeln der Romantik" erscheint nun posthum Isaiah Berlins berühmte Vorlesungsreihe aus dem Jahr 1965, in der er sich einem zentralen Wendepunkt der modernen Geistesgeschichte zuwendet. Die schillernde, ja revolutionäre Bewegung der Romantik stellt in seinen Augen eine radikale Transformation mit bis heute unabsehbaren Folgen dar. Das Aufkommen der romantischen Strömung im späten 18. Jahrhundert deutet Berlin als eine reaktion auf die Aufklärung. Er hebt die Schlüsselrolle hervor, die hierbei die deutschen Dichter und Denker spielten, und geht insbesondere auf Wirken und Werk von Hamann, Kant, Schiller, Fichte, Schelling und Friedrich Schlegel ein. Berlin zufolge setzten die Romantiker eine beispiellose Umwälzung unseres Denkens und Handelns in Gang, indem sie die herkömmliche Auffassung von objektiver Wahrheit zerstörten und die Gültigkeit moralischer Grundsätze anfochten.
Leider konnte Isaiah Berlin sein geplantes großes Romantik-Buch nie realisieren, was aber gar nicht so tragisch ist, denn Trost findet man laut Oliver Müller auch in seinen Vorlesungen, die nun auf Deutsch erschienen sind. In der 1965 gehaltenen Vortragsreihe zeichne der Oxforder Ideenhistoriker die Romantik als eine "umfassende Denkbewegung, in deren Tradition auch er selbst steht". Neben den romantischen Faszinationsfiguren wie Karl Moor oder dem Hoffmann'sche Spukpersonal widme sich der Autor unter anderem den Vordenkern der Bewegung, allen voran Johann Georg Hamann. Als die Vorlesungen weiland von der BBC mitgeschnitten wurden, zeigte sich Berlin wenig begeistert, empfand das Resultat als "hektisch und hysterisch". Oliver Müller ist sich indes sicher: "Der Leser der transkribierten Fassung wird diesen Eindruck kaum teilen, sondern - auch wenn manche These verkürzend oder gewagt erscheint - die Anschaulichkeit, die diesen Ausführungen des emphatisch essayistischen Denkers Berlin eigen ist, genießen."
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 25.03.2004
Ralf Hanselle freut sich über den Nachdruck der Manuskripte zu Isaiah Berlins Oxforder Vorlesungsreihe über die Wurzeln der deutschen Romantik. Man mache die Romantik zwar für vieles verantwortlich, "nur selten" sei den Ursprüngen aber "fundiert" nachgegangen worden. Berlin versuche das mit einigem Erfolg. Die Erklärung der Romantik als "ästhetischer Reflex" auf die Zerstückelung der Welt durch die Wissenschaften lese sich "zunächst recht konventionell". Aber anders als die übrigen Interpreten sehe Berlin die Epoche nicht nur als Phase einer rückwärtsgewandten Weltabgewandtheit und als Nährboden des Faschismus, sondern, durch die Entdeckung der Unvollkommenheit und Enge der einzelnen Wahrnehmung, als Wegbereiter des Wertepluralismus. Berlin, selbst ein Liberaler, hat damit wohl nicht nur die Romantik, sondern auch sein eigenes Denken verwurzelt, vermutet Hanselle.
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