Während der Begriff "Protestanten" heute mehrere christliche Kirchen, Gruppierungen und Bewegungen bezeichnet, ist seine Geschichte im Heiligen Römischen Reich des 16. und 17. Jahrhunderts gekennzeichnet durch Streit unter den Kirchentümern, die er heute geradezu selbstverständlich unter sich sammelt. Er wurde sowohl für Lutheraner als auch für Reformierte zum Kampfbegriff: Beide Parteien beanspruchten ihn exklusiv für sich und flankierten so ihre theologischen, kirchenpolitischen und reichsrechtlichen Ansprüche auf terminologischer Ebene - nicht zuletzt, um dem anderskonfessionellen Gegenüber jedwede Existenzberechtigung abzusprechen. Christian Witt zeigt, wie sich der Terminus "Protestanten" im 17. Jahrhundert zum Integrationsbegriff entwickelte, der bewusst mehrere reformatorische Konfessionskirchentümer unter sich sammelte und so den entscheidenden Schritt hin zu seiner heutigen Nutzung tat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 07.11.2011
Die Wuppertaler Dissertation von Christian Volkmar Witt schätzt Heinz Schilling als eine akribische begriffsgeschichtliche Rekonstruktion. An deren Ende weiß Schilling nicht nur um die Leistung des Autors, der einen Haufen theologischer Abhandlungen und Traktate in seine Erwägungen einbezieht. Er lernt auch, dass die Konfrontation der Konfessionen und der Abgrenzungsbegriff "Protestanten" bereits Ende des 16. Jahrhunderts und zwar weitgehend ohne westeuropäische Einflüsse zugunsten eines integrativen Protestantismusbegriffs überwunden werden konnte. Für diese Erkenntnis ist er dem Autor dankbar, ebenso für eine tiefschürfende Reise in die innerevangelische Ökumene, die ihm zum Verständnis aktueller ökumenischer Debatten gereicht und zur Einsicht, dass Ökumene immer auch historische und begriffsgeschichtliche Arbeit bedeutet.
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