Heike Geißler

Saisonarbeit

Cover: Saisonarbeit
Spector Books, Leipzig 2014
ISBN 9783944669663
Paperback, 270 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Saisonkraft bei Amazon. Ausgerechnet. Ein Erfahrungsbericht, der ebenso persönlich wie politisch ist. Kritik an den Verhältnissen mit den Mitteln der Selbstironie. Der Blick in eine Halle, die von der Außenwelt abgeschottet ist und gerade deshalb viel über sie verrät. In "Saisonarbeit" geht es um Empfindlichkeit und das Politische des Empfindlichen. Es geht um die Arbeit bei Amazon und darum, dass "mit dieser Arbeit und vielen Sorten Arbeit grundsätzlich etwas faul ist". Nicht zuletzt auch um Bücher und was sie uns bedeuten können.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.12.2014

Kommt zur rechten Zeit, meint Morten Freidel über Heike Geißlers Erfahrungsbericht aus der Amazon-Welt. Drei Monate als Saisonkraft beim Scannen - und der Leser darf die Autorin begleiten, darf schauen, was es alles zu kaufen gibt (alles) und was der Malocher im Logistikzentrum dafür erhält (quasi nichts). Schockiert zeigt sich Freidel darüber, wie sehr der Arbeiter hier selber zur Ware wird, geistig ausgehöhlt, fast ohne Wille und Wunsch. Besonders fürs Weihnachtsgeschäft werden etliche zusätzliche Kräfte eingestellt, "und nach Weihnachten ist der ganze Spuk vergessen", berichtet Freidel. Aber ist das wirklich so? Es handelt sich um einen fiktionalisierten Erfahrungsbericht, erklärt der Rezensent vielsagend.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.12.2014

Mit Günter Walraffs Reportagen hat dieser Erfahrungsbericht nichts zu tun, hält Rezensentin Cornelia Geißler (nicht verwandt mit der Autorin) vorab fest. Heike Geißler, erklärt sie, hat anderes im Sinn: Formal zwischen Essay und Belletristik changierend, schildert die Autorin ihre Erfahrungen nicht nur sehr subjektiv - die Rezensentin meint glatt, selbst in den Lagerhallen Amazons zu stehen -, sondern vor allem auch als symptomatisch für das Leben im Kapitalismus. Wobei die Erlebnisse allemal "unspektakulär" ausfallen: Die Arbeit mag körperlich beanspruchen und abstumpfen, auch Kritik wird nicht gern gehört, doch "Folter", wie manch erwartungsvoller Leser vielleicht meinen könnte, gebe es keine. Stattdessen, führt die Kritikerin weiter aus, erlebt man eine melancholische Autorin beim Sortieren und Versenden von allerlei Groschenheft-Literatur, während die eigenen Werke kaum bestellt werden. Dass der stationäre Buchhandel von diesem "Gemischtwarenladen" bedroht werde, kann sich da auch die selbst ein bisschen traurig werdende Rezensentin bald nicht mehr vorstellen: Was Feuilletons, Literaturbetrieb und gediegene Buchhandlungen hochhalten, macht in der Gesamtbilanz eben doch nur einen kleinen Teil aus.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.11.2014

Heike Geißlers neues Buch "Saisonarbeit" ist keines dieser Enthüllungsbücher à la Günter Walraff, versichert Rezensent Florian Kessler, auch wenn es vordergründig ihre sechswöchige Aushilfsarbeit bei Amazon dokumentiert. Der Autorin, die vor zwölf Jahren ihren hochgelobten Debütroman "Rosa" veröffentlichte, gehe in diesem zwischen Reportage, Essay, Bericht und Suada mäandernden Text der Frage nach, was Arbeiten bedeute - egal ob am Schreibtisch als Autorin oder im Amazon-Lager, informiert der Kritiker, der hier liest, wie jede Art von Arbeit immer wieder etwas Fremdbestimmtes, Kaputtmachendes mit sich bringt. Nahezu beispielhaft lasse sich das natürlich bei der "stumpfbrutalen" Arbeit im Warenlager von Amazon aufzeigen, erfährt der Rezensent während der Lektüre, der hier aus dem Blickwinkel der Autorin liest, wie bedrohlich still, unfreundlich und erschöpfend die Akkordarbeit abläuft. Der Forderung der Autorin nach weiteren Berichten dieser Art aus der Arbeitswelt, kann sich Kessler nur anschließen.

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