Heimito von Doderer hat eines der eigenständigsten und komplexesten Prosawerke des 20. Jahrhunderts vorgelegt. Der für seine Großromane "Die Strudlhofstiege" und "Die Dämonen" einst nobelpreisverdächtige Autor hat das Wien der ersten Jahrhunderthälfte in ganz unverkennbarem Stil weit exakter und detaillierter beschrieben als Joyce sein Dublin. Nach wie vor ist Doderer - durchaus zu Recht - umstritten: wegen seines frühen Eintritts in die NSDAP, seiner krausen Theorien über die Mechanik des (Seelen-)Lebens als metaphysische Basis der Romane und nicht zuletzt wegen der reichlich übertriebenen Lust an der Schilderung von grandiosen Wutanfällen und übler Gewalttätigkeit. Dass er jedoch als Virtuose grotesken Fabulierens und eindringlicher Analytiker seiner Zeit den gleichen Rang beanspruchen darf wie Robert Musil, Hermann Broch oder Thomas Mann ist mittlerweile unumstritten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 13.09.2001
Recht angetan bespricht Herrmann Wallmann diesen Band, den er zumal schon wegen der ausführlichen Lebenschronologie und der Bibliografie zu Doderer sehr nützlich findet. An der Zusammenstellung der Beiträge gefällt ihm, dass sie alle sich dem österreichischen Autor unsystematisch, "auf Umwegen" nähern. Im einzelnen geht Wallmann etwa auf den Beitrag des Schriftstellerkollegen Roland Koch ein (der offensichtlich nicht mit dem hessischen Ministerpräsidenten zu verwechseln) ist: Koch, so scheint es, gliedert seine Überlegungen nach Stichwörtern wie "Der Altmodische" oder "Die Erotik" auf. Und Wallmann erkennt gerade hierin die Verwandtschaft zu Doderers improvisatorischer Romankonzeption. Nein, dieser Materialienband ist "kein Mist", schließt Wallmann, der nur en passant noch auf einen zweiten neuen Band zu Doderer hinweist: Gerald Sommers und Kai Luehrs-Kaisers "Schüsse ins Finstere" (bei Königshausen & Neumann).
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