Henrik Ghanaat, Holger Andreas Leidig, Carsten Otte, Tilman Reitz (Hg.)

Kritisierte Gesellschaft

Gabi Althaus zum 61. Geburtstag
Cover: Kritisierte Gesellschaft
Metropol Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783932482304
Broschiert, 220 Seiten, 18,41 EUR

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 19.12.2000

"Diese Festschrift ist ein Genuss", meint Philipp Gessler. Und das verblüfft den Rezensenten. Schließlich seien gerade Festschriften in der Regel langweilige und uninspirierte Aufsatzsammlungen über ein Spezialthema mit eingeschränktem Leserkreis. Die Soziologin und Adorno-Exegetin Gabi Althaus hingegen werde in dem vorliegenden Band von ihren Studenten so sehr gelobt, dass man sie nach der Lektüre einfach lieben muss. Und zwar weniger für ihre Forschung und ihre Publikationen, sondern dafür, dass sie junge Menschen zum Denken ermutige und einen echten Diskurs mit ihren Studenten pflege. Taten, die an der Massenuniversität rar geworden seien. Und das wissen die Studenten der Professorin an der Freien Universität Berlin zu schätzen: "Die Festschrift ist eine Lobeshymne, ein Liebesbrief für eine originelle und aufregende Unzeitgemäße". Und die darin zusammengetragenen Aufsätze findet Gessler intelligent, humorvoll und originell.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 26.08.2000

Schon der Umschlag, schreibt Johannes Dirschauer, provoziert: eine Roth-Händle-Packung prangt da auf der Festschrift für die Soziologin der Berliner Freien Universität. Und tatsächlich sagt selbige in einem Gespräch, das Dirschauer zitiert, früher hätten 90 Prozent aller Seminarteilnehmer geraucht, aber heutzutage "haben quicke Leute, jung und dynamisch und fit ... auf einmal Kopfschmerzen, Atemprobleme, wenn in ihrer Gegenwart geraucht wird". Ihre Diagnose: "absolut fehlgesteuerte soziale Energie: Kampf gegen Raucher statt gegen Erdölkonzerne". Eine Querdenkerin, die immer noch Horkheimer und Adorno mit ihren Studenten liest, diagnostiziert der Rezensent. Die Beiträge ihrer SchülerInnen in dieser Festschriften beweisen jedoch auch, dass sie sich dennoch, gar mit Hilfe der Adorno-Lektüre, von den "Verführungen der 68-er Generation befreien" können. Die Festschrift-Beiträge stammen von SchülerInnen, merkt Dirschauer an, die sich "samt und sonders" ohne feste Anstellung als "freie Journalisten und Kulturschaffende, Lehrbeauftragte und PR-Berater" etc. durch Leben schlagen. Da geht es ums Reisen und um Verzweiflung, um Filme, Narzissmus und Oper. Das Buch ist faszinierend, schreibt Dirschauer, weil "hier Geschichte erscheint, auch die Geschichte der Irrtümer und des Scheiterns". Und weil trotzdem das Geschäft der Kritik der Gesellschaft unbeirrt weiterbetrieben wird.

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