Aus dem Französischen von J.J. Schlegel. "Reise nach Marokko" (1982) ist eine experimentelle Tour de force, eine wilde Collage aus fantasierten Orient-Klischees und realen Machtspielchen innerhalb einer kleinen französischen Reisegruppe. Auch wenn dem Bericht eine wirkliche Reise zugrunde liegt, verwebt Guibert beide Textebenen und verwischt damit die Grenze zwischen Erfindung und realem Geschehen. Der Intensität der Amour fou mit Vincent scheint er nur mit dem literarischen Mittel der Autofiktion beizukommen - ein Verfahren, das auch "Verrückt nach Vincent" (1989) zugrunde liegt. Dort lässt Guibert den titelgebenden Protagonisten bei einem Sprung aus dem Fenster sterben, um dann in rückläufiger Chronologie zu erzählen, wie sich die obsessive Urlaubsbekanntschaft in Paris fortsetzt.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 23.11.2021
Rezensent Dirk Fuhrig warnt vor einer exzessiven Sexualität und Selbstbespiegelung in Hervé Guiberts Beschreibung einer homosexuellen Obsession. Besonders machen den Text laut Fuhrig dennoch die Schonungslosigkeit der Betrachtung, der "gnadenlose" fotografische Blick auf Exzesse und Emotionen sowie die alles andere als dokumentarische Selbststilisierung des Autors zum Kunstwerk. Der assoziative erzählerische Gestus im Text passt gut dazu, findet Fuhrig.
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