Öffnet sich der Himmel
Roman

Suhrkamp Verlag, Berlin 2025
ISBN
9783518432570
Gebunden, 283 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Englischen von Stephan Kleiner. James steht an einer Schwelle, bald ist er erwachsen. Und er träumt von einem anderen Leben weit weg: das Dorf hinter sich lassen, die Eltern enttäuschen, dem allen endlich irgendwas Lebendiges, Echtes entgegensetzen. Denn hier in verschlafenen Thornmere im Norden Englands bleibt immer alles beim Alten, seine Runde als Milchjunge, die Gottesdienste, die ewigen Sorgen um seinen kranken kleinen Bruder, die Ausgrenzung der Mitschüler. Doch dann trifft James im Herbst 2002 auf Luke - ein Jahr älter, unverschämt gutaussehend, von seinen verkrachten Eltern zur Disziplinierung aufs Land verschickt - und im Laufe eines Jahres liefert sich James neuen, unkontrollierbaren Kräften aus, einer Sehnsucht, die ihn für immer verändern, einer Frage, die ihn sein Leben lang verfolgen wird: Würde ich alles riskieren für die Möglichkeit der Liebe?
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
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Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.10.2025
Rezensent Jens Schneider hätte sich gewünscht, dass sich Sean Hewitt in seiner Coming-of-Age-Geschichte nicht so sehr in Nebengeschichten verzettelt und der Text mehr von der Art der intensiven Schlussszene gehabt hätte. Leider bleibt vieles von der Handlung eher an der Oberfläche oder wird allzu schwärmerisch erzählt, bedauert Schneider, der auch die Idealfigur, die hier im Leben eines seine Homosexualität erfahrenden jungen Mannes als rettende Figur auftaucht, nicht wirklich überzeugend findet. Wäre alles so "fein" geschrieben wie das Ende, hätte Schneider das Buch schöner gefunden.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 06.08.2025
Großartig! Rezensent Valentin Wölflmaier lobt den literarisch gelungenen und tiefgründigen Debütroman des Lyrikers Seán Hewitt. Schon von Beginn an zeigt der britische Autor sein Können: Mit kunstvoll verschachtelten Sätzen hinterlässt er starken Eindruck beim Kritiker und nimmt ihn mit auf eine Reise durch queere Liebe und unerfülltes Begehren. Der Protagonist James, der als junger Schwuler in einer kleinstädtischen Gemeinschaft Nordenglands seine erste Liebe erlebt, ringt mit Einsamkeit, Scham und Ausgrenzung. Der Roman verarbeitet die Ambivalenz von Verlangen und die Unabgeschlossenheit einer Jugend, die bis ins Erwachsenenalter nachwirkt. Eine "poetische Erinnerungstour, die einen nicht mehr loslässt", so Wölflmaier. Einziger Kritikpunkt: Die Übersetzung von Stephan Kleiner, die durch veraltete Ausdrücke sowie Ungenauigkeiten der feinen Sprache Hewitts nicht gerecht wird.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.07.2025
Symbolisch bleibt die junge Liebe in diesem Coming-of-Age Roman, verrät Rezensent Paul Jandl. Obwohl überall der Proust'sche Weißdorn blüht, wird die hier auflodernde Leidenschaft nie ausgelebt. Die Liebenden sind die Teenager James und Luke, die sich in einem englischen Dorf kennenlernen, das noch nicht bereit für eine homosexuelle Liebe ist. Später schaut der Erwachsene James zurück auf diese Zeit und erzählt in der Ich-Form vom Coming-Out, einer nicht ausgelebten Leidenschaft und der "kruden Wirklichkeit", die die beiden umgibt (und die Jandl zufolge dem Kitsch einen Riegel vorschiebt). Der verschlossene Luke bleibt für James eher Fantasma als reale Person, verrät Jandl - die unerfüllbare Träumerei wird zum Selbstzweck. Dass der Autor eigentlich Lyriker ist, zeigt Jandl ein "gestisches" Element in seiner Prosa und eine feine Beobachtungsgabe für Details. Ein wenig irritiert ist der Kritiker davon, dass Hewitt "die Schwärmerei der Jugend ungebrochen" in den Bericht eines erwachsenen Mannes übernommen hat. Jandl scheint die Engführung von Landschaft und Liebeserzählung zugesagt zu haben, auch wenn der Roman im Gegensatz zu seinem Vorbild Marcel Proust letztendlich ganz "keusch" bleibt.