Hildtrud Ebert

Erhard Frommhold und die Fundus-Bücher

Die ersten Jahre
Cover: Erhard Frommhold und die Fundus-Bücher
Lukas Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783867324380
Gebunden, 96 Seiten, 15,00 EUR

Klappentext

Als der Rowohlt Verlag 1955 seine "deutsche enzyklopädie" auf den Markt brachte, konnte Erhard Frommhold den VEB Verlag der Kunst Dresden, wo er als Lektor arbeitete, vom Aufbau einer eigenen Theoriereihe überzeugen. Der Name Fundus war schnell gefunden und nicht ohne Hintersinn gewählt. Denn mit dem publizistischen Zugriff auf ein historisches Erbe sollte nichts weniger als eine marxistische Kunstwissenschaft begründet werden. Der österreichische Schriftsteller Ernst Fischer, dessen Text "Von der Notwendigkeit der Kunst" 1959 als erster Band der Reihe erschien, hatte dieser Idee spontan zugestimmt - nicht zuletzt, um den Marxismus als geistige Position gegen seine orthodoxe Auslegung zu verteidigen. Dass dies bald schon den Argwohn der Politik weckte, verwundert nicht. Die Schriften von Fischer, Ehrenburg, Childe, Caudwell, Laming, Lunatscharski, Białostocki, Neutra und anderen, die Frommhold in den ersten Jahren veröffentlichte, waren in der Tat nur schwer in den Kanon sozialistischer Kultur integrierbar. Daher wurde der Verlag 1964 gezwungen, die vulgärsoziologischen "Grundgesetze der Kunst" von Todor Pawlow in die Reihe aufzunehmen. Da war das diskreditierende Wort von der "intellektuellen Kunstliteratur" bereits gefallen. Auch die Stimmen aus dem DDR-Kulturministerium, die Frommholds Entlassung als Cheflektor forderten, waren nicht mehr zu überhören.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2024

Einen "lesenswerten Essay" veröffentlicht Hildtrud Ebert über die Fundus-Reihe in der DDR, findet Rezensent Mark Lehmstedt. In dieser erschienen Beiträge zur Geschichte der Kunst und Ästhetik, doch vor allem zeigt Ebert deutlich, dass diese Bücher ein Hort des eigenständiges Denkens in der DDR waren - zum Beispiel erschienen hier Bücher der Austro-Marxisten Ernst Fischer oder des Renaissance-Experten Leonid M. Baktin. Ein Highlight der heimischen Buchlandschaft waren diese - und für 4,80 Mark auch günstig zu haben, merkt Lehmstedt an. Ebert wirft dabei auch einen Blick, lobt der Kritiker, auf Erhard Frommhold, der es schaffte, bis 1991 und trotz zweier gegen ihn angestrengten Parteiverfahren, fast ununterbrochen Cheflektor der Fundus-Bücher zu bleiben. Lehmstedt ist begeistert von diesem Buch, das die Widersprüche der DDR, doch vor allem das Engagement von Frommhold in den Vordergrund rückt.

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