Die Wiederentdeckung des Marxismus durch die Neue Linke: eine spannungsvolle Geschichte.Schon vor 1968, in den 1950er Jahren, entstand eine Neue Linke. Junge akademische Intellektuelle begannen jenseits der polarisierten traditionellen Arbeiterbewegung nach neuen Anknüpfungspunkten für ein linkes Denken zu suchen. Neu gegründete Theoriezeitschriften wurden dabei zu ihren Organisationskernen. In der Theorie fand die Neue Linke gemeinsame Überzeugungen und verschmolz auch hierdurch zu einer vorgestellten Gemeinschaft. Insbesondere marxistische Theorien wurden wiederentdeckt und neu interpretiert.Mit Marx führte die Neue Linke gemeinsame Kämpfe gegen eine "bürgerliche" Öffentlichkeit - mit Marx trug sie aber auch immer stärker Kämpfe untereinander aus. David Bebnowski nutzt die beiden West-Berliner Zeitschriften "Das Argument" und "PROKLA" als Seismographen und Sonden zur Ergründung der Geschichte der Neuen Linken und des akademischen Marxismus. Dabei wird deutlich, dass "1968" nicht nur für Aufbrüche steht, sondern ebenso zu Spaltungen führte, die die Linke bis heute kennzeichnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.12.2021
Rezensent Jörg Später liest mit den Neuerscheinungen von Moritz Neuffer und David Bebnowski zwei lesenswerte Bücher, die die Zeitschriften der Neuen Linken erforschen. Der Historiker Neuffer widmet sich der Zeitschrift alternative, sein Kollege David Bebnowski analysiert die Zeitschriften Das Argument und Prokla. Beiden Autoren attestiert der Kritiker Umsicht und das Vermögen, ihre Lektüren in "breitere Kontexte" einzubinden, etwa in die bundesrepublikanische Zeitgeschichte. Gerade durch die vergleichende Lektüre erkennt Später die Parallelen der in den Fünfzigern gegründeten Nischen-Zeitschriften alternative und Argument, die anfänglich gar nicht marxistisch ausgelegt waren, sondern zunächst aus dem "Unbehagen" der immer noch gegenwärtigen Nazi-Vergangenheit entstanden. Der Lektüre der beiden Bände verdankt der Kritiker zudem nicht nur Einblicke in die Entwicklungsgeschichte der Zeitungen bis zu deren Ende, sondern erfährt auch von den unterschiedlichen Ideologien einzelner Redakteure. Nicht zuletzt lobt Später die Werke für interessante Antworten auf generelle Fragen wie: "Warum wurde der Marxismus in den Sechzigern relevant und im Laufe der Siebziger uninteressant?"
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…