"Humanismus" ist ein junger, offener - und daher umstrittener - Begriff. Hubert Cancik zeichnet in diesem Band die Wurzeln des Humanismus nach, die aus Konzepten bestehen, die in Philosophie und Kunst, Ethik und Politik, Wissenschaft und Recht der Antike entwickelt wurden. In von Brüchen und Verwerfungen gekennzeichneten Rezeptionsschüben sind diese in die europäische Geschichte eingegangen und haben beim Aufbau einer zivilen Gesellschaft und der Proklamation der Menschenrechte mitgewirkt. Deren Anspruch, Gemeingut aller Menschen zu sein, unabhängig von Ethnien, Religionen, Klassen und Machtmitteln, ist, so zeigt dieses Buch, die Basis eines kritischen Humanismus, also des Angebots, eine Welt-Gesellschaft menschlich zu denken.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.02.2012
Dem emeritierten Altphilologen Hubert Cancik traut der Rezensent einiges zu. Und Uwe Walter wird nicht enttäuscht, wenn der Autor ansetzt, den Humanismusbegriff von seinen Überforderungen und Missverständnissen zu befreien. Dabei sieht Walter nicht mal einen neuen Entwurf vorliegen, eher eine Klärung. Dies allerdings im Sinn eines neuen Verständnisses von Gesellschaft, der Weltgesellschaft nämlich. Einige Redundanzen zwischen den Texten kann Walter verkraften; klar und geduldig erscheint ihm das Vorgehen Canciks bei der Differenzierung zwischen römischer humanitas und deutschen Humanitätsprojekten bei Herder, Humboldt und Niethammer. Der Unterschied zwischen Konzept und Praxis scheint Walter ein sensibles Feld zu sein. Allerdings scheint Canciks Beschäftigung mit Niethammers Begriffsverständnis dem Rezensenten ganz gut geeignet, aktuelle Curriculum-Debatten zu verstehen.
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