Aus dem Englischen von Thomas Laugstien. Mit fünf Abbildungen. Genetik und künstliche Befruchtung, Robotik, Implantate und Computertechnologie haben nicht nur in der Science-Fiction Cyborgs, Zombies und Klone hervorgebracht. Auch in der Philosophie und in den Humanwissenschaften hat sich seit einigen Jahren eine lebendige Diskussion über die Grenzen und Möglichkeiten des Menschen angesichts moderner Technologien entwickelt. Rosi Braidotti unternimmt eine Tour de Force vom Humanismus zum Zeitalter des Posthumanismus, in das technologischer Fortschritt und Kapitalismus uns katapultiert haben: Der humanistische Mensch männlich, weiß, rational, selbstbewusst, eurozentrisch ist nicht mehr Maß aller Dinge und hat heute, so Braidotti, einem nomadischen, nicht-individuellen Subjekt Platz gemacht. Vor der Folie postkolonialer und feministischer Theorie legt das Buch die Grundlage für eine neue Theorie dieses posthumanen Subjekts: Nicht mit sich selbst identisch, kollektiv und kosmopolitisch ist es vielfältig mit anderen Subjekten vernetzt mit Menschen wie mit Tieren und Dingen. So birgt für Braidotti das Ende des Humanismus eine Utopie: Es eröffnet neue soziale Bindungen und Gemeinschaftlichkeit im globalen Maßstab.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.07.2014
Der "männlich, weiß, rational, selbstbewusst und eurozentrisch" codierte Mensch ist schon länger keine verlässliche Bezugsgröße mehr, weiß Manuela Lenzen, und die technischen Neuerungen der Gegenwart weichen kontinuierlich auch andere Kategorien auf, die Menschen ihrem Selbstverständnis zugrundelegen. Eine Rückbesinnung auf einen alten Humanismus reicht laut Rosi Braidotti deshalb nicht mehr, um die Gegenwart noch angemessen zu reflektieren, stattdessen breitet sie das Programm eines kritischen "Posthumanismus" aus, so die Rezensentin. Der begreife Kategorien von vorneherein im Werden und verstehe die Technik als erweiterten Möglichkeitshorizont, statt ihn als Bedrohung zu empfinden, und komme darüber hinaus auch ohne statische Identitäten aus, fasst Lenzen zusammen. Die normative Grundlage des Ganzen erscheint der Rezensentin wacklig, oder wenigstens wenig spektakulär: die müsse gemeinsam ausgehandelt werden.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.07.2014
Durchaus der Aufmerksamkeit wert scheint die "Programmschrift" der Philosophin Rosi Braidotti der Rezensentin. Auch wenn Andrea Roedig sich mitunter mit schwerem Begriffgeschütz, fragwürdiger Zeitdiagnostik und einer eher affektiven, aus postmoderner, feministischer Theorietradition zusammengebauten Kritik am Humanismus konfrontiert sieht - was die Autorin als posthumanistische Alternative ausarbeitet, hält Roedig allemal für interessant. Braidottis grundsätzlicher Egalitarismus, der Kultur, Mensch und Tier nicht länger als Gegensätze begreift, ihre Anleihen bei Deleuze und Guattari zwecks einer utopisch-positiven, dabei kritischen Denkweise, scheinen Roedig anzusprechen und zu inspirieren.
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