Der Zweite Weltkrieg trennte das Ehepaar Schlesinger für viele Jahre. Bernard versorgte als Arzt britische Truppen, Winifred blieb in London. Täglich schrieben sie sich Briefe. Sie sind Zeugnis einer besonderen Familiengeschichte. Denn Bernard und Winifred entstammten deutschen Familien, die im 19. Jahrhundert als Juden nach England emigriert waren. Dennoch fühlten sie sich mit ihrer früheren Heimat tief verbunden. Erst Hitler zerriss diese innere Bindung. Der Krieg konnte ihrer menschlichen Haltung jedoch nichts anhaben: Den Weihnachtsabend 1945 feierten sie mit einem deutschen Kriegsgefangenen. Ian Buruma hat die Briefe seiner Großeltern zu einer wunderbaren Geschichte verwoben, die von einem anderen, besseren Europa erzählt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.07.2017
Cord Aschenbrenner kennt Ian Buruma als talentierten und gelehrten Weltbürger. Wenn der Autor nun mittels Briefen die Geschichte seiner nach England emigrierten Großeltern rekonstruiert, ahnt er schon, es geht um kulturelle Identität, Klassenfragen und Judentum. Darüber hinaus zeichnet der Autor laut Aschenbrenner liebevoll, doch nicht unkritisch das Bild eines Upper-middleclass-Paares mit Neigung zum Überfluss. Es weist für Aschenbrenner weit über die reine Familiengeschichte hinaus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.05.2017
Für Stephan Wackwitz ist Ian Burumas Roman "Ihr gelobtes Land" über das Londoner Exilantenleben seiner Großeltern Winifred und Bernard Schlesinger leider nur ein nettes, aber bedeutungsloses "Familienalbum". Egal ob Buruma die Einwanderergeschichte der jüdischen Großeltern, ihre Auseinandersetzungen mit dem britischen Antisemitismus und ihr Engagement für jüdische deutsche Kinder schildert oder an die lange Verlobungszeit der Großeltern und ihre Enttäuschung über den ältesten Sohn, den Regisseur John Schlesinger, erinnert - einen ästhetischen oder dokumentarischen Mehrwert kann der Kritiker nicht erkennen. Gerade im Vergleich zu Burumas virtuosem Roman "Die Grenzen der Toleranz" fällt Wackwitz auf: Die gelungene Anpassung der Großeltern an das Gastland ist poetisch eher "unergiebig". Nicht zuletzt erscheint dem Rezensenten Barbara Schadens deutsche Übersetzung ein wenig holprig.
Mit "Ihr gelobtes Land" hat Rezensentin Gabriele von Arnim Ian Burumas bisher persönlichstes Buch gelesen. Der Journalist und Professor für Demokratie erzählt hier anhand im Nachlass gefundener Briefe die bewegende Geschichte seiner Großeltern Bernard und Win Schlesinger, die als deutsche Juden nach England emigrierten, so die Kritikerin. Sie liest in den vertrauens- und sehnsuchtsvollen Briefen nicht nur eine außergewöhnliche Liebesgeschichte zwischen zwei Kriegen - als Arzt war Bernard während des Zweiten Weltkrieges in Indien stationiert, sondern erfährt auch, wie "leidenschaftlich" das Paar, das neben fünf eigenen Kindern zwölf weitere jüdische Kinder aus dem nationalsozialistischen Deutschland nach England holte, versuchte, sich der neuen Heimat anzupassen. Nicht zuletzt lobt Arnim die historisch einordnenden Kommentare des Autors, der sich hier auch auf die Suche nach der eigenen Identität begibt.
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