Spätestens seit dem Mord an dem niederländischen Filmemacher Theo van Gogh im November 2004 macht sich insbesondere in der europäischen Öffentlichkeit Skepsis gegenüber Konzepten und Praktiken des Multikulturalismus breit. Fernab der rassistischen Ablehnung des kulturellen Pluralismus stellt sich die Frage, wie dieser mit demokratischen Grundwerten zu vereinbaren ist. In der Auseinandersetzung spiegelt sich der alte Widerstreit zwischen Universalismus und Kulturrelativismus wider. Die vorliegende Studie diskutiert kulturrelativistische Ansätze im Multikulturalismus. Die Autorin macht deutlich, dass moderne Einwanderungsgesellschaften nicht umhinkommen, sich auf ein kulturkritisches, antiessenzialistisches und an den universellen Menschenrechten orientiertes Konzept des Multikulturalismus zu beziehen.
Mit großem Interesse hat Rezensent Wolf-Dieter Vogel diese Auseinandersetzung mit dem Multikulturalismus von Imke Leicht gelesen. Die Kulturwissenschaftlerin führt für ihn den Widerspruch zwischen Universalismus und Kulturrelativismus auf seinen historischen Grund zurück. Sie stellt zudem die Entwicklung des Multikulturalismus sowie die Debatten um Multikulti überzeugend dar. Dabei lasse die Autorin sowohl Vertreter des Multikulturalismus als auch dessen Kritiker zu Wort kommen. Vogel schätzt insbesondere Leichts unpolemische, aber kritische Würdigung der verschiedenen Ansätze. Plausibel findet er auch ein nicht eurozentrisches universelles Menschenrechtsverständnis, wie es vom Philosophen Heiner Bielefeldt vertreten wird, das Leicht gegen radikale Ideologen des Kulturrelativismus geltend macht.
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