In zertanzte schuhe versammelt Ines Berwing Gedichte und Zyklen gegen die Angst. Sie speisen sich aus unheimlichen Märchen und Liedern, handeln von Spukschlössern, Kartonkindern, der Geisterbahn des Lebens und der Tränenfabrik des Körpers. Sie fragt darin, wie sich ihr Schreiben zu dem von "Silbenabwicklern" verhält und ob es wirklich "Vitaminstempel" braucht. In Versen voller Binnenreime spielt sie mit Brüchen, enttäuscht gewitzt Erwartungen und stellt fest, dass man sich in der Dichtung einem "Windhaus" aussetzt: "vor welchen himmel spannt man sein zelt?" Ihre Inspirationen reichen von Herta Müller über Paul Celan bis hin zu Dagobert Duck oder Alice im Wunderland.
Rezensentin Yi Ling Pan freut sich über die märchenhaften Einflüsse, denen sie in Ines Berwings neuem Gedichtband nachspüren kann: Mit Sinn für die Fluidität der visuellen und sprachlichen Eindrücke, die sie erzeugt, schreibt Berwing "mit dem Unbewussten voran". Thematisch geht es um Autobiografisches wie einen unerfüllten Kinderwunsch ebenso wie eine mystisch-märchenhafte Feier an einem Königshof voller unglücklicher Tanzender oder das "wolkenlose enge verästeln/ von ängsten." Im Freud'schen Sinne unheimlich findet die Kritikerin das, aber auf eine ungeheuer reizvolle Weise, Kontur gibt den Gedichten die klare Form aus dreizeiligen Strophen. Dass dabei die vielen evozierten Bilder ineinanderlaufen, ist für Pan ein großer Gewinn dieses Bandes.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.03.2025
Rezensent Björn Hayer verspricht eine lohnende Lektüre, auch wenn Ines Berwings Lyrik ihm zunächst etwas "sperrig" und finster scheint: es spricht darin ein lyrisches ich aus einem "großen meer aus angst" (Berwing), von Schuldkomplexen und Verfallsbewusstsein getrieben, das zwei Schicksalsschläge (eine Fehlgeburt und den Tod der Mutter) erleidet und fortan mit der Sinnhaftigkeit von Sprache hadert, analysiert Hayer. Dass dann in manchen Versen nichts mehr zusammenpasse - "ulknudeln vibrierten eine invasion aus invalidem / ingwer stand uns technikaffinen affen bevor", zitiert er etwa ratlos - sei dann zwar handlungslogisch erklärbar, ist für den Kritiker aber trotzdem etwas frustrierend zu lesen. Schließlich findet er mit dem Thema der Verwandlung von Negativem in Positives aber doch wieder einen roten Faden zum Festhalten in den oft auseinanderklaffenden Versen. Für den Kritiker an Orpheus erinnernde "Klagegesänge", die eine "bezirzende" Sinnfülle entfalten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2025
Auch wenn ihn nicht alle sprachlichen Fügungen überzeugen, findet Nico Bleutge den zweiten Gedichtband von Ines Berwing lesenswert. Die Autorin verbindet Märchenmotive mit einer "zeitgemäßen" Diktion aus der ökonomischen Sphäre, erklärt er, und zeigt Sinn für die Wahrnehmungsarten beider Bereiche. Es geht um Kindheitsängste wie um Funktionalität und "Warenhaftigkeit" gleichermaßen, so Bleutge. Auch wenn die Verse mit klassischem Metrum und Reim und ganzen Sätzen arbeiten, bieten sprachliche Variationen dem Leser allerhand Abwechslung, meint er. Kulturelle Bezüge von Heiner Müller bis E.T. lassen sich entdecken, freut sich der Rezensent.
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