Vor fünf Jahren legte die belarusische Zivilgesellschaft ihr demokratisches Gesellenstück vor: Millionen gingen 2020 gegen das absurde System des Diktators Lukaschenko auf die Straße. Der antwortete mit brutaler Repression. Welche Auswirkungen hat die Repression durch das Regime heute auf die Gesellschaft? Wie sehen Alltag und Atmosphäre in Belarus mit seinen vielen Tausend politischen Gefangenen aus? Was treibt die Unterstützer des Regimes? Und die Führung der Opposition im Exil? Welche Szenarien für einen Wandel sind überhaupt denkbar? Diesen Fragen geht Ingo Petz, einer der besten Kenner der Geschichte, Kultur und Politik von Belarus, in dieser Flugschrift nach.
Viel lernen kann man von diesem Buch über Belarus, versichert Rezensent Frederik Rother. Der Journalist Ingo Petz beschäftigt sich mit der gescheiterten Revolution im Sommer 2020, als jede Menge Menschen in Minsk und anderswo gegen Lukaschenko protestierten, den Präsidenten, der eben dank offensichtlicher Wahlfälschung wiedergewählt worden war. Petz geht auf die Gründe dafür ein, dass ausgerechnet 2020 die vorher wenig protestwillige Bevölkerung aktiv wurde, die Perspektivlosigkeit vieler Menschen war ein Grund, ein anderer die überbordende Bürokratie im Land, liest der Rezensent. Lukaschenko schlug den Aufstand brutal nieder und festigte im Anschluss seine autokratische Herrschaft weiter. Zudem liest der Kritiker hier allerhand über die enge Anbindung des Landes an Russland, die belarussische Rolle im Ukrainekrieg sowie über die Exilopposition, die sich auch gegen die zunehmende Russifizierung des Landes wendet. Allzu optimistisch kann man nach der Lektüre des Buches zwar nicht sein, was eine mögliches positives Erbe des Aufstands in naher Zukunft betrifft; ein gut recherchiertes, lesenswertes Buch über ein Land, dessen innere Verhältnisse sonst oft opak bleiben, hat Petz gleichwohl geschrieben, urteilt Rother.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.06.2025
Am 21. Juni ist der belarussische Oppositionelle Sergej Tichanowski nach fünfjähriger Haft endlich freigelassen worden, zusammen mit 13 weiteren politischen Gefangenen. Die amerikanische Rolle bei dieser Freilassung sei entscheidend gewesen, twitterte der litauische Außenminister, ohne Details preiszugeben. Es verbleibenden weitere tausend politische Gefangene in Belarus. Anlass genug, Ingo Petz' Buch zu lesen, notiert Othmara Glas in einer sehr aktuellen Kritik. Petz gilt als einer der besten Belarus-Experten in Deutschland, und er wirft nun noch einmal Licht auf die Geschehnisse in Belarus in den Jahren 2020 und folgende - leider seien diese durch Putins Krieg gegen die Ukraine ein wenig in den Hintergrund gerückt, bedauert die Rezensentin. Aber es sei wichtig, sich mit Petz einen präzisen Blick auf den "russischen Faktor" zu verschaffen. Der Betonkopf Lukaschenko hat sich mit Gewalt durchgesetzt, ist aber zugleich abhängiger denn je von Putin, lernt sie aus Petz' Buch - und gerade diese Abhängigkeit mag ja eines Tages wieder Lücken Im Machtgefüge entstehen lassen und Hoffnungen auf einen Regimewechsel bestärken. Wichtig dafür ist, dass Europas Interesse an Belarus nicht nachlässt - das Buch bietet hier aktuelles Lesefutter, das die Rezensentin wärmstens begrüßt.
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