Aus dem Italienischen von Grit Fröhlich und Ruth Karzel. Im Zeitalter der Coolness ist es schwierig geworden, über Zärtlichkeit zu sprechen, ohne sentimental oder kitschig zu klingen. Wir leben in einer bedrängten Welt, die uns immer mehr abverlangt, um mithalten zu können. Härte, Überreiztheit und Erschöpfung sind die Folge. Während alles Menschliche versteinert, wächst in uns die Sehnsucht nach einer neuen Luft zum Atmen. Wie aber können wir den Teufelskreis durchbrechen, in dem wir uns zu Tode steigern? Isabella Guanzini zeigt ganz ohne romantische Gefühlsduselei, dass jene sanfte Macht, die uns auf die Welt gebracht und am Leben erhalten hat, zu Unrecht unterschätzt wird. Denn Zärtlichkeit ist mehr als nur ein Wohlgefühl. Sie ist eine geistige Haltung, mit der wir sanft - und nicht durch Härte - das eigentliche Potenzial des menschlichen Lebens freisetzen und uns zugleich aus der zermürbenden mentalen Erschöpfung unserer Zeit befreien können.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.03.2019
Wolfgang Hellmich stellt fest, dass die Theologin Isabella Guanzini mit ihrem Buch durchaus nicht das System stürzen möchte. Allerdings scheint ihm Guanzinis Forderung nach mehr Zuneigung, Nachsicht, Menschlichkeit, unproduktiven Freiräumen und einer Sprache der Zärtlichkeit provokativ genug, zumal die Autorin aus dem Geist christlichen Denkens und mit Papst Franziskus wie mit Adorno, Agamben, Zizek, Musil und Handke argumentiert. Guanzinis "Gegengesang" gegen die Ideale einer degenerierten Moderne scheint Hellmich zwar mitunter von antimoderner Prägung, und die Verbindung von Katholizismus und kritischer Philosophie hält er für mindestens gewagt, doch vermessen kann er das Buch nicht finden.
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