Was hat Simone de Beauvoir mit Max Frisch gemeinsam? Was verbindet Susan Sontag mit Hans Magnus Enzensberger? Die ersten haben ihr Herz auf die Tasten getragen, mitsamt ihrer Eifersucht, die zweiten gingen mit Sowohl-als-auch ins Bett. Isolde Schaad fahndet nach dem erotischen Subtext im Werk der Genannten. Zu ihnen gesellen sich Hannah Arendt, Peter Handke, Ingeborg Bachmann, Elfriede Jelinek, Barbara Sichtermann und Marcel Duchamp.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 18.05.2005
Aus literarischen Texten die Einstellung eines Autors zum anderen Geschlecht ableiten, und zwar die persönliche Einstellung und nicht die im Werk dargestellte - "kann das gut gehen", fragt Nicole Henneberg zu Beginn ihrer Rezension. Es geht "erstaunlich gut", lautet ihre Antwort. Isolde Schaad habe sich durch das Werk der Moderne gelesen: von Marcel Duchamp bis Jelinek, von Hannah Arendt bis Martin Walser. Als besonders gelungen hebt Henneberg den Essay über Max Frisch hervor, weil in ihm die "Balance zwischen literarischer Interpretation, eingeflochtenen Selbstauskünften und Biografie" besonders gelungen sei. Schaad ist eine undogmatische Feministin, charakterisiert Henneberg die Autorin, die den Machtkampf zwischen den Geschlechtern als neu aufgeflammt betrachtet. Die berühmte Beziehung Sartre - Beauvoir stehe natürlich pflichtgemäß im Zentrum ihrer Recherchen. Verblüfft zeigt sich Henneberg von Schaads These, dass sich gerade Beauvoirs Hauptwerk dem "feministischen Sündenfall" verdankt. Besonders konstruktiv arbeitet sich Schaad übrigens an den großen alten Männern ab, fällt der Rezensentin auf; die Autorinnen-Porträts blieben dagegen eher kühl. Insgesamt gehe Schaad sehr "sensibel und redlich" mit den Texten um, die immer Vorrang hätten vor Einblicken ins Privatleben der Autoren.
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