Die literarische Moderne entdeckt die Gefährdung des Ich in der Heimkehr: Wo es heimkehrend zu sich zurückfinden soll, droht es gerade unterzugehen.Heimkehr ist nicht nur ein drängendes Problem in den Flüchtlingsbewegungen aktueller Weltpolitik - sie ist auch immer schon ein ehrwürdiges und vielbenutztes Motiv der abendländischen Literatur gewesen. Der vorliegende Essay untersucht in konzentrierten Einzelinterpretationen wichtiger Gedichte und Prosatexte der deutschsprachigen Moderne (u.a. Heine, Eichendorff, Celan, Rilke, Kafka), wie die große Literatur das Subjekt in der Heimkehr zunehmend als gefährdet sieht: Der Selbstverlust in der Heimkehr akzentuiert die Heimatlosigkeit des Ichs in einer Welt beständigen Umbruchs.
Eckart Goebel lässt sich von Jan Urbich die Unheimlichkeit des Heims und das paradoxe Phänomen der Heimkehr erläutern. Urbichs Essay konkurriert laut Goebel mit Netflix, schlägt sich aber gut, da der Autor bei diesem Thema intellektuell neue Maßstäbe setzt, einen weiten Bogen von Homer bis Kafka spannt und von gelungener und misslungener Heimkehr anhand von Dichtungen von Hölderlin oder Celan handelt. Für Goebel ist das durchweg überzeugend, auch bei den philosophischen und psychologischen Erwägungen des Heimkehrergefühls. Einziger Mangel des Buches laut Goebel: zu viele Fußnoten.
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