Diese Biografie handelt nicht nur von Heine, sondern auch von Brod und vom Schicksal der deutschen Juden; als Brod den Text 1934 veröffentlichte, waren die Nazis schon ein Jahr an der Macht, das Publikum in Deutschland nicht mehr erreichbar. Das Buch kam im Exil-Verlag Allert de Lange in Amsterdam heraus und erlebte bereits 1935 eine zweite verbesserte Auflage. Dann gingen die schrecklichsten Ereignisse darüber hinweg. In einem kurzen Vorwort zur neuen Auflage 1956, die dieser Ausgabe zugrunde liegt, macht Brod darauf aufmerksam: Er musste einiges ändern nach der Vernichtung des deutschen Judentums.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.01.2016
Mit Max Brods Biografie über Heinrich Heine ist ein weiterer Band der Brod-Werkausgabe erschienen, berichtet Rezensent Hermann Kurzke erfreut. Zwar erfahre man in diesem kaum bekannten kulturpolitischen Werk mehr über Brod als über Heine, konstatiert der Kritiker, nimmt das aber nicht übel. Vielmehr liest Kurzke mit einigem Erstaunen, dass Brod versuchte, Heine für den Zionismus zu vereinnahmen, erfährt, dass Brod die Assimilation der Juden als Fehler betrachtete und die jüdische Identität durch "Distanzliebe" zwischen Juden und Deutschen zu festigen versuchte. Darüber hinaus folgt der Kritiker überrascht Brods Versuchen, dem Assimilierten Heine selbst im Liebesleben spezifisch "Jüdisches" nachzuweisen. Auch wenn der Rezensent in diesem Band Angaben über die Entstehungs- und Publikationsgeschichte vermisst, hat er die erhellenden Vor- und Nachworte mit Gewinn gelesen.
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