Aus dem amerikanischen Englisch von Sylvia Spatz. Über Würde und Standhaftigkeit in Zeiten des Aufruhrs. Mary Perrault, Anfang fünfzig, führt mit ihrem Mann und den vier Kindern ein beschauliches Leben im ländlichen Kalifornien. Aber dann bricht 1929 die New Yorker Börse zusammen: Der Kampf ums nackte Überleben bringt das Fundament der Gesellschaft ins Wanken und bedroht auch das innere Gleichgewicht der Familie Perrault. Immer wieder gerät Mary in Situationen, in denen sie entscheiden muss, ob sie zum eigenen Vorteil oder zum Wohle anderer handeln soll. Janet Lewis erzählt am Beispiel des scheinbar unspektakulären Lebens einer Frau, wie der Mensch sich im Angesicht von Krisen sein moralisches Wertesystem und seine Würde erhalten kann.
Rezensentin Julia Schröder bewundert in dieser Familiengeschichte von Janet Lewis vor allem die genauen Landschafts- und Wetterbeschreibungen im Kalifornien der späten 1920er Jahre. Zwar dräuen über der Beschreibung der Figuren und Existenzen im Roman die dunkle Wolken der Depression und weitreichender Veränderungen, doch gelingt es der Autorin laut Schröder immer wieder, Ruhepole einzuziehen, eine Figur, ein Obstgarten, die Farben der Blumen. Atmosphärisch stark und sinnlich reich wie die Gemälde Alter Meister, findet Schröder.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 20.02.2023
Rezensent Rainer Moritz freut sich über die Wieder- und im deutschen Sprachraum Neuentdeckung der seit den 1940er Jahren erschienenen Romane von Janet Lewis, die man wohl auch als eine Art frühes True Crime lesen könnte. In "Draußen die Welt" geht es, so Moritz, um das absolut alltägliche bis langweilige Leben der stets umtriebigen Hausfrau und Mutter Mary, das erst an Fahrt aufnimmt, als Schicksalsschläge und Verbrechen sich häufen. In einem für ihn angenehm dahinfließenden und doch präzise observierenden Stil erzählt Lewis von Recht und Unrecht - eine lesenswerte Entdeckung, befindet der Kritiker.
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