Aus dem Französischen von Christian Ruzicska. Ein junger Mann hat sich entschieden, sein Heimatdorf zu verlassen, um seinem Leben als Söldner in der Wüste einen Sinn zu geben: Diese Einöde mit ihrer erdrückenden Hitze, Verlorenheit und ihrem seelischen Überdruss ist nach dem 11. September 2001 belagert von unzähligen Soldaten in unterschiedlichster Uniformen.
Zurück vom checkpoint, wo ihm der Tod sein brutales Gesicht gezeigt, ihn selbst aber verschont hat, ist dieser moralisch zu Grunde gerichtete Überlebende dazu verflucht, zu Hause bei den Seinen einem neuerlichem Exil zu trotzen: Alles Vertraute scheint ihm so fremd und leer, dass es jede Hoffnung auf ein sinnvolles Leben erstickt. Nur die Erinnerung an jenes Mädchen aus der Stadt, mit dem er in den frühen Tagen seiner Jugend den ersten Kuss getauscht und das erste Gefühl von Liebe erlebt hat, gibt ihm noch Halt. Magali aber scheint zu einer jungen Frau herangewachsen zu sein, die sich mit Leib und Seele ihrer Firma verschrieben hat. Die Konturen des zarten, lebensfrohen Mädchens von damals scheinen nicht aufzugehen im Portrait dieser alleinstehenden Frau, die erfolgreich gelernt hat, sich vollständig dem Regelwerk der einer der Entfremdung geopferten Menschlichkeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.04.2017
Rezensent Joseph Hanimann ist glücklich, dass nun auch Jerome Ferraris im Original bereits 2009 erschienener Roman "Ein Gott Ein Tier" in exzellenter Übersetzung durch Christian Ruzicska auf Deutsch vorliegt. Einmal mehr bewundert der Kritiker Ferraris Spiel mit geschickt verknüpften Motiven aus Literatur, Mythologie und Philosophie; erneut verschlägt es ihn hier nach Korsika, allerdings erscheint ihm die Perspektive des Autors noch schwärzer als in dem späteren Roman "Predigt auf den Untergang Roms". Dass Ferrari in dieser Geschichte um einen ehemaligen Söldner, der sarkastisch und abgehärtet in seine Heimat zurückkehrt, beginnt, seiner Jugendliebe zu schreiben und Erlösung im göttlichen Chaos sucht, sich jeglicher "Faszination des Grauens" verweigert, rechnet der Kritiker hoch an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.03.2017
Sandra Kegel findet Jêrome Ferraris neuen Roman, den sie mit seinem durchgehenden Blocksatz, der stark rhythmisierten Sprache und den mythischen Bildern lieber als Gesang beziehungsweise Abgesang auf die Welt bezeichnet, weniger humorvoll als Ferraris früheren Texte. Als existentielle, mitunter pathetische Meditation über die moderne Arbeitswelt und andere Schlachtfelder entwickelt das Buch für sie eine Düsternis, die sie teils der Entstehungszeit um 2009 zuschreibt, als Antiterrorkriege und die Wirtschaftskrise tobten.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…